Schlagwort-Archiv: Gouvernementalität

The Psychic Life of Neoliberalism

Christina Scharff conducted an interesting study on the emotional side of neoliberalism and entrepreneurialism. In reference to the question of critique, the study points to the transformation of social critique to self critique and the construction of strong social stratifications between ‚lazy‘ and ‚deserving‘ people. Here is a summary of the study:

The psychic life of neoliberalism

Diskurs und Ökonomie – Teil 9: „Die Athener Rasselbande“

Die mediale Berichterstattung über Griechenland bedürfte einer umfänglichen Analyse. Diese wäre unter anderem fruchtbar in der Rekonstruktion der Grenzziehungen von ökonomischer Vernunft und Narretei, Wahrheit und Ideologie, Mitte und Extremen oder der Figur eines „konstitutiven Außen“. Nachfolgend nur eine kleine, unkommentierte Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität, entnommen aus Kommentaren und Berichten der WELT und der ZEIT über Alexis Tsipras, Syriza und die griechische Regierung im Zusammenhang des griechischen Referendums Anfang Juli, welche sowohl in ihrer Monotonie und zugleich interdiskursiven Bildhaftigkeit lehrreich sein mag:

  • Radikale Linke
  • die Linksnationalen in Athen
  • Narretei der Spieltheoretiker und Hasardeure
  • Das Scheitern dieser ganz speziellen Regierung
  • Tsipras und seine Regierung der Extreme
  • Die Athener Rasselbande
  • die Gespenster der Demagogie
  • die Neigung zum äußersten Extrem, die kalte Wildheit, die aus der Phrase eine Offenbarung macht, die Stahlhärte der Behauptung, die jede andere Meinung ächtet, schließlich der Hang, die Welt mit der Beweisführung der Inquisition in Freund und Feind einzuteilen
  • feurige Fusel seiner Kampfrhetorik
  • der griechische Chauvinist im Gewand des Friedensapostels
  • Setzt sich AlexisTsipras durch, werden alle Narren Europas – von Podemos in Spanien bis zur Front National in Frankreich – ihre Stunde schlagen hören und den Kontinent in ein ideologisches Zeitalter zurückdrängen, das uns neue zerrissene Jahre beschert
  • Eine Führung selbstverliebt radikaler Akademiker
  • Alexis Tsipras schafft es, dass sich die EU nur noch um den lautesten Schreihals sorgt.
  • der linksextreme Nationalist
  • Luxuslinke wie Tsipras oder Varoufakis
  • Aber die Idee von einem solidarischen Europa wird von diesem einen unverschämten und selbstverliebten Mitspieler immer weiter verhöhnt und mit Füßen getreten
  • Der Truppe um Tsipras
  • dem Herrn Tsipras und seiner linksnationalistischen Zockertruppe
  • charmante Hallodri Alexis Tsipras
  • Hasardeure Tsipras und Varoufakis
  • den Kommunisten Tsipras
  • Tsipras und Konsorten
  • die radikale Linke
  • widerspenstigen radikalen Linken Griechenlands
  • die Radikalen
  • die marktfeindlich und antiwestlich ausgerichtete quasikommunistische Partei
  • Die politischen Führer Europas haben Wichtigeres zu tun, als mit den Spieltheoretikern Spielchen zu treiben

Neue Publikation: Hartz/Rätzer (Hrsg.): „Organisationsforschung nach Foucault“

UMS2171_KT_neu.inddDer aus dem zweiten Workshop des Forums entstandene Band ist nun im Transcript-Verlag erschienen. Auf der Verlagsseite finden sich das Inhaltsverzeichnis, eine Leseprobe, ein kleines Interview und weitere Informationen:

http://www.transcript-verlag.de/ts2171/ts2171.php

Staatsphobie und Lobbyismus – Zur Arbeit der Tabaklobby in Brüssel

In der Südeutschen Zeitung fand sich vor kurzem ein instruktiver Bericht zur Lobbyarbeit – höflicher: Stakeholder-Management – der Tabakunternehmen im Vorfeld der Verabschiedung der neuen Tabakproduktrichtlinie im Europäischen Parlament:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lobbyisten-in-der-tabakindustrie-rot-wie-risiko-1.1788444

Interessant ist erstens die Akribie, so etwa das Erstellen von Kurzbiografien und das Sammeln privaten Details über die Parlamentarier, welche als relevant für das Entscheidungsverhalten angesehen wurden.

Zweitens ist das zentrale Argument der Industrie von analytischen Interesse – die Rede vom Bevormundungsstaat. Damit wird wieder ein grundlegendes Motiv der liberalen Programmatik aktiviert – welcher von Foucault in den Vorlesungen zur Gouvernementalität auch als ‚Staatsphobie‘ (‚es wird immer zuviel regiert‘) diskutiert wird. Die ‚Staatsphobie‘ scheint eine universell einsetzbare diskursive Waffe zu sein (wie auch der öffentliche Diskurs im Zuge der der globalen Finanzkrise anzeigte) – ein leerer Signifikant. Nun  muss man hierbei nicht beim (neo-)liberalen Diskurs stehenbleiben – auch bei Lenin (‚Staat und Revolution‘) war vom Absterben des Staates die Rede. Der damit verbundene gesellschaftliche Entwurf war gleichwohl ein anderer …

Neuer Blog zu Michel Foucault – ‚foucaultblog‘

Vor wenigen Tagen startete ein neuer Blog über Werk und Wirkung Michel Foucaults, initiiert von Historiker_innen und Kulturwissenschaftler_Innen der Universität Zürich (als Herausgeber_innen fungieren: Maurice Erb, Onur Erdur, Simon Ganahl, Roberto Nigro, Philipp Sarasin, Cécile Stehrenberger, Philip Zölls). Hier geht es zum Blog:

http://www.fsw.uzh.ch/foucaultblog/

 

 

 

In eigener Sache – Publikationen

  • Eine Reihe von Publikationen sind in der letzten Zeit erschienen:

Hartz, Ronald (2012): Reclaiming the Truth of the Market in Times of Crisis: Course, Transformation and Strategies of a Liberal Discourse in Germany. In: Culture and Organization, 18(2), 139–154. [Hier geht es zum Abstract des Artikels: Reclaiming the Truth – Abstract].

Hartz, Ronald (2012): ‘Everything must change in order to stay the same’. ZfP-Discourse zum Beitrag “Same Same but Different – Changing Career Expectations in Germany?” In: Zeitschrift für Personalforschung, 26(1), 82-86. [Download als PDF, mit freundlicher Genehmigung des Rainer Hampp Verlags: ].

Hartz, Ronald/Lang, Rainhart (2012): „Frauenquote“, Gleichstellung und „gute“ Führung – Ein kleiner Nachtrag zu einem Vortrag von Gertraude Krell in Chemnitz. In: Renate Ortlieb/Barbara Sieben (Hrsg.): Geschenkt wird einer nichts – oder doch? Festschrift für Gertraude Krell. Programmatisches – Personalpolitik – Gender – Diversity – Diskursive Anknüpfungen. München und Mering: Hampp, 189-194. [Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis und zur Leseprobe des Buches: Festschrift Gertraude Krell]

Governmentality, Power and Organisation – Special Issue

Im Journal „Management and Organizational History“ ist ein Special Issue zur Thematik „Governmentality, Power and Organisation“ mit den folgenden Beiträgen – hier mit der Verlinkung zu den Abstracts – erschienen:

Editorial:
Governmentality, power and organization
Alan McKinlay, Chris Carter, and Eric Pezet
Management & Organizational History 2012;7 3-15
http://moh.sagepub.com/cgi/content/abstract/7/1/3
From order to organization: The origins of the division of labour in French accounting manuals
Pierre Labardin
Management & Organizational History 2012;7 17-29
http://moh.sagepub.com/cgi/content/abstract/7/1/17
Duelling with dualisms: Descartes, Foucault and the history of organizational limits
Nick Butler and Stephen Dunne
Management & Organizational History 2012;7 31-44
http://moh.sagepub.com/cgi/content/abstract/7/1/31
‘All they lose is the scream’: Foucault, Ford and mass production
Alan McKinlay and James Wilson
Management & Organizational History 2012;7 45-60
http://moh.sagepub.com/cgi/content/abstract/7/1/45
Pacifying the social: Creating the French citizen worker, 1968–1975
Eric Pezet
Management & Organizational History 2012;7 61-71
http://moh.sagepub.com/cgi/content/abstract/7/1/61

„Die perfide Unschuld des Marktes“ – Joseph Vogl im Zeit-Interview

In der aktuellen Ausgabe der Zeit (Nr. 38 vom 11.August 2011) findet sich ein instruktives Interview mit dem Kulturwissenschaftler Joseph Vogl zur historischen Genese und aktuellen Verfasstheit des Finanzmarktkapitalismus. Es ist auch deshalb lesenswert, da die Interviewende aus dem Wirtschaftsressort stammt und Vogl somit die Gelegenheit erhält, auf einige neoliberale Wahrheitsspiele (kriseninduzierte Produktivitäts- und Effizienzsteigerung, Alternativlosigkeit von Märkten, Staaten als Quasi-Unternehmer) kritisch einzugehen. Im impliziten Anschluss an die Foucaultschen Analysen zur neoliberalen Gouvernementalität führt Vogl u.a. aus:

„Der sogenannte Liberalismus ist ja nicht bloß eine platte Rechtfertigung der Marktwirtschaft. Er unterstellt vielmehr, dass sich Gesellschaften durch Marktmechanismen besser und effizienter regieren lassen. Der Markt wird als eine Art Regierungstechnologie verstanden […]. Entscheidungen werden nicht von gewählten Regierungen, sondern von Märkten und ihren Mitspielern diktiert. Als die US-Bonität am Freitag letzter Woche herabgestuft wurde, sagten Vertreter von Standard & Poor’s recht unverblümt: Die USA sollten schnell die überflüssigen Sozialprogramme abbauen. So spricht das Orakel, die perfide Unschuld des Marktes.“

Das Interview ist ein schöner Anlass, auf zwei wichtige Bücher von Joseph Vogl zu verweisen. Kleiner Hinweis: Diese zwei Werke bilden zugleich den Startpunkt der neuen Rubrik „Gute Bücher“ unter ‚Kritische Ressourcen‘.

„Das Gespenst des Kapitals“ (erschienen 2010 im diaphanes Verlag)

 


 

 

 

 

„Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen“ (3.Auflage 2008, ebenfalls diaphanes)

In eigener Sache: Workshop „Foucault und Organisation“

Am 19. und 20. Mai 2011 findet der zweite Workshop des Forums in Chemnitz statt. Dabei bilden konzeptionelle Fluchtlinien und empirische Perspektiven im Anschluss an Michel Foucault im Zusammenhang mit Veränderungen in und von Organisationen den diesjährigen Schwerpunkt. Zur Diskussion stehen insb. Studien zur (neoliberalen) Gouvernementalität und zu Anrufungen des Subjekts, zu Praktiken des Widerstands und der Heterotopie sowie diskurs- und dispositivanalytisch orientierte Arbeiten. Über die positive Aufnahme des Themas, die zahlreichen Einreichungen, Anfragen zur Teilnahme und schließlich auch über die konzeptionelle Breite der Beiträge haben wir uns sehr gefreut. Themen und Vortragende sind im Einzelnen:

  • Zwischen Organisationskultur und Organisationsmerkmalen: zeitgenössische Universitätsreform und unternehmerischer Aktivitätsmodus (Anna Kosmützky / Michael Borggräfe, Universität Kassel und DHV Speyer)
  • Lernservice-Infrastruktur – cui bono? Die Re-Organisation des Bildungssystems als Modus einer neoliberalen Gouvernementalität (Niels Spilker, FU Berlin)
  • Projektmanagement als Regierungsform (Yannick Kalff, Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • Zur Konstitution des Emotionsarbeiters (Daniela Rastetter, Universität Hamburg)
  • Diskurs- und Dispositivanalyse am Beispiel „Frauenquote“ (Gertraude Krell, FU Berlin)
  • „Catch me, if you can!“, shouts Homo oeconomicus … (Isabell Collien, FU Berlin)
  • Re-constructing age images in UK and Germany: Corporate and socio-politcal actors‘ rhetoric on age (management) discourses (Barbara Sieben / Heike Pantelmann / Michael Müller-Camen / Matt Flynn / Heike Schröder, FU Berlin und Middlesex University Business School)
  • „Emancipation from standards – Process management in the software development and its influence on technical innovations“ (Andrea Fried / Ronny Gey / Agnieta Pretorius / Lars Günther / Petrie Coetzee, TU Chemnitz und Tshwne University of Technology)
  • „Kritische Dekonstruktion“? – Ein paar Gedanken zum kritischen Potential des Sozialkonstruktivismus (Ingo Winkler , Universität Southern Denmark)
  • „Am Ende des Tages ist man immer auf sich gestellt.“ Macht und Widerstand in Medienunternehmen analysiert aus Sicht der Foucault Perspektive (Anne-Kristin Lehmann / Irma Rybnikova, TU Chemnitz)
  • Ausschließung, Einsperrung und vollkommen Anderes: Schulische Organisationen zwischen Heterotopien und panoptischen Blicken (Ina Herrmann, Universität Duisburg-Essen)

Das ganze Programm findet sich als PDF unter „Aktivitäten“.

Kritische Ressourcen – Aktualisierungen

Neu aufgenommen unter „Ökonomie, Politik und Gesellschaft“ wurde:

Bröckling, Ulrich / Krasmann, Susanne / Lemke, Thomas (Hrsg.): „Governmentality: Current Issues and Future Challenges“

Neue Kategorie bei den „Kritischen Ressourcen“: „Critical Management Studies“