Schlagwort-Archiv: Kritik

„Kein Gott, kein Herr! – Eine kleine Geschichte der Anarchie“ – Dokumentarfilm Arte

Bereits gestern lief der zweiteilige Dokumentarfilm zur Geschichte der anarchistischen Bewegung auf Arte. Über Proudhon und Kropotkin entfaltet sich diese instruktive Geschichte der Anarchie in ihrer Beziehung zur Arbeiterschaft, zur Entwicklung der Gewerkschaften und Kooperativen, zur Idee des Streiks, zu den aufkommenden Massenmedien bis hin zum Kampf im spanischen Bürgerkrieg und den vielfältigen und brutalen Repressionen, welchen der Anarchismus aber auch die Arbeiterschaft über die geschilderten Jahrzehnte ausgesetzt waren. Beide Teile sind noch für wenige Tage in der Mediathek nachzusehen:

http://www.arte.tv/guide/de/047435-001-A/kein-gott-kein-herr-eine-kleine-geschichte-der-anarchie-1-2

 

 

New ephemera Special Issue on ‚Organizing for the post-growth economy‘

From the announcement:

The ephemera special issue on Organizing for the post-growth economy (vol. 17, no. 1) is now available at ephemerajournal.org and in print.

Special issue editors: Christian Garmann Johnsen, Mette Nelund, Lena Olaison and Bent Meier Sørensen

Perpetual economic growth is an underlying assumption of the contemporary organization of capitalist society. The idea of growth is embedded not only in the corpus of economic thought but also in economic institutions. Against this backdrop, this special issue opens up for critical and creative thinking around organizational issues related to growth, economy, sustainability, and ecology. The contributions found in this special issue revolve around themes that are central to the problem of organizing for a post-growth economy, including such phenomena as the circular economy, carbon markets, food production, not-for-profit enterprises, and degrowth. Using a variety of theoretical resources as well as empirical material, these contributions rethink the relationship between growth and organization. The issue includes four papers, two notes, two roundtable discussions, and four book reviews.

„Organizational Behaviour – Verhalten in Organisationen“ – neu in der 2. Auflage erschienen | Employment Relations

Das von Albert Martin herausgebene Buch „Organizational Behaviour“ ist in der zweiten Auflage im Kohlhammer-Verlag erschienen. (Martin, A. (Hrsg.). (2017). Organizational Behaviour R…

Quelle: „Organizational Behaviour – Verhalten in Organisationen“ – neu in der 2. Auflage erschienen | Employment Relations

„Das ist unser Haus“ – Dokumentarfilm über das Mietshäuser Syndikat

Hier einige Informationen zum Film (Quelle: https://vimeo.com/193034732):

Räume aneignen mit dem Mietshäuser Syndikat.
Der Film „Das ist unser Haus!“ erläutert das solidarische Modell des Mietshäuser Syndikats (syndikat.org), mit dem sich auch finanzschwache Gruppen bezahlbare Räume in Gemeineigentum nachhaltig sichern können.
„Das ist unser Haus!“ ist ein Film der Autoren und Produzenten Burkhard Grießenauer, Daniel Kunle und Holger Lauinger. Die Produktion wurde mit Hilfe des SEELAND Medienkooperative e.V. realisiert.

Gemeineigentum – Selbstorganisation – Solidarität – Seit vielen Jahren gibt es eine Netzwerkstruktur von mehr als 100 Hausprojekten in Stadt und Land, um die Wohnungsfrage nach anderen Werten zu organisieren: das Mietshäuser Syndikat. Finanzschwache Gruppen können sich mit der Solidarität anderer ermächtigen und so bezahlbare Räume sichern. Deshalb wächst in immer mehr Köpfen das Interesse an dieser wichtigen Initiative aus der Zivilgesellschaft.

Im 65 minütigen Film „Das ist unser Haus!“ erläutern Akteure des Mietshäuser Syndikats das Modell der kollektiven Raumaneignung und präsentieren vielseitige Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Die Zuschauer werden motiviert, eigene Projekte im stabilen solidarischen Verbund des Mietshäuser Syndikats zu starten.

Mit Impressionen aus den Projekten: Freie Hütte (Lübeck), LÜDIA (Hadmersleben), Handwerkerhof Ottensen (Hamburg), Jugendwohnprojekt Mittendrin (Neuruppin), Grether Gelände (Freiburg), 4-Häuser-Projekt (Tübingen)

 

„Das ist unser Haus!“ from SEELAND Medienkooperative on Vimeo.

Diskurs und Ökonomie #20: Baudrillard zu Dieselgate, oder: Skandale als Simulation ökonomischer Moral

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte beschäftigt die Öffentlichkeit mit wechselnder Aufmerksamkeit schon recht lange. Berechtigterweise fordert man (zumindest gelegentlich) strengere Kontrollen, Tests unter ‚realistischen‘ Bedingungen, Entschädigungen etc.

Mit Baudrillard lässt sich nun dieser Skandal (und mithin weitere Skandale im ökonomischen und politischen Kontext) einmal hinsichtlich seiner grundsätzlichen Funktion für die Stabilisierung von Ökonomie (und Politik) befragen. Baudrillard nimmt in die ‚Agonie des Realen‘ konkret Bezug auf Watergate und wir können an dieser Stelle und versuchsweise einfach einmal ein anderes Gate setzen:

„Die öffentliche Anprangerung des Skandals ist stets eine Huldigung an das Gesetz. Und mit Watergate [Dieselgate, R.H.] ist es vor allem gelungen, den Eindruck zu erwecken, daß es tatsächlich einen Skandal gegeben hat – in diesem Sinne war die Affäre eine ungeheure Vergiftungsoperation. Man hat der Gesellschaft wieder eine ordentliche Dosis politischer [ökonomischer, R.H.] Moral injiziert.“ (Die Präzession der Simulakra. In: Agonie des Realen, Merve 1978, S. 26f.)

Und weiter:

„Alles, was das Kapital von uns verlangt, ist, daß wir es für rational halten oder es im Namen der Rationalität bekämpfen, daß wir es für moralisch halten oder im Namen einer Moral bekämpfen. Denn im Grunde gibt es zwei Lesarten für ein und dieselbe Sache: früher bemühte man sich einen Skandal zu dissimulieren [zu verheimlichen, R.H.] – heute bemüht man sich zu verbergen, daß es keiner ist.“ (Die Präzession der Simulakra. In: Agonie des Realen, Merve 1978, S. 27f.)

In der Perspektive Baudrillards erscheint Dieselgate dann als ‚Falle‘, als ‚Ablenkungsmanöver‘, welche eine wirkliche / reale Moralität des Ökonomischen behauptet (oder einfordert), welche de facto sowieso nicht vorhanden ist. Skandale als Simulation ökonomischer Moral oder ökonomischer Rationalität.

Das Baudrillards These – vorsichtig formuliert – wenig optimistisch hinsichtlich der Möglichkeit der Veränderung ökonomischer Praktiken stimmt, sollte nicht dazu verleiten, diese vorschnell als überspitzt zu bezeichnen. Ist in Krisen- und Skandaldiskursen doch auch immer wieder die Rede von den Selbstheilungs- und Selbstreinigungskräften des Marktes, welche möglicherweise nichts weiter als die (im Sinne Baudrillards) Simulation und Unterstellung von Rationalität oder Moral anzeigen, welche nun bedauerlicherweise und gerade in dieser Krise suspendiert waren. In der düsteren (?) Lesart Baudrillards gibt es einfach nichts, was hätte suspendiert werden können.

Aber: Lässt sich Baudrillards These aus den 1970er Jahren im Hinblick auf die Phänomene des Whistleblowing der letzten Jahre so einfach übertragen? Woher kommt dann all die Energie, Whistbleblowing so energisch zu bekämpfen und deren Protagonist_innen ruhigzustellen? Und schließlich (und hierzu konträr): Bedarf es überhaupt noch dieser Logik und Funktion des Skandals? Zeigen nicht die Absatzzahlen von VW, dass ‚man‘ ‚augenzwinkernd‘ doch ‚eigentlich‘ sowieso Bescheid weiß?

 

Diskurs und Ökonomie – Ältere Beiträge:

Zombiebanken

Virus

Kernschmelze

Gaspedal und Handbremse

„Bei aller Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit“, oder: Arbeitskämpfe als ‚diskursive Kämpfe‘

Klettertour und Basislager

Anlegerstreik

Schwan vs. Sinn, oder: in Verteidigung der Reinheit der Ökonomie

„Die Athener Rasselbande“

Talfahrt

Blase(n)

Industrie 4.0

Im TTIP-Leseraum

Selber Schuld! Das IW erklärt den Gender Pay Gap

‚Totholz‘ und ‚Zitronen‘ – Zur Klassifikation von Beschäftigten

Bourdieu zur ökonomischen Orthodoxie

Geldschleusen und zu flutende Märkte

„Das Kapital“ – Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert – Feature im Deutschlandfunk zum Nachhören

Bereits im November und Dezember 2016 lief im Deutschlandfunk ein sechsteiliges, prominent besetztes Feature über „Das Kapital“ von Marx, welche der Frage nach der Aktualität und den Grenzen des Werkes nachgeht. Alle Features lassen sich nachhören und sind auch in Manuskriptform nachlesbar:

http://www.deutschlandradio.de/das-kapital-politische-oekonomie-im-21-jahrhundert-im.2174.de.html?dram:article_id=370974

Commons / Gemeingüter im Film

Von Silke Helfrich und der Heinrich-Böll-Stiftung sind inzwischen zwei umfangreiche Bände zur Thematik der Commons / Gemeingüter erschienen. Beide Bände stehen unter einer Creative Commons Lizenz:

Helfrich, Silke; Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Bielefeld: transcript. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2835-7/commons)

Helfrich, Silke; Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.) (2015): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld: transcript. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3245-3/die-welt-der-commons

Im zweiten Band findet sich eine instruktive Aufzählung von Filmen über die Commons, welche auch in der Lehre eingesetzt werden können. Hier der entsprechende Auszug sowie Verlinkungen:

»Gemeingüter? Was ist das?«
Ein dreiminütiges Erklärstück, das 2010 im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung für eine internationale Commons-Konferenz in Berlin erstellt wurde und bisher auch in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch zur Verfügung steht; gut einsetzbar für Einführungen ins Thema:

»This Land is Our Land. The Fight to Reclaim the Commons«
Der englischsprachige Dokumentarfilm, ebenfalls aus dem Jahr 2010, wurde von Jeremy Earp und Sut Jhally produziert. Das Skript stammt von David Bollier (Mitherausgeber dieses Bandes) und Jeremy Earp; Länge: 46 Minuten. Schwerpunkte sind die Einhegungsprozesse der letzten Jahrzehnte. Die Commons-Bewegung wird hier in den Kontext traditionellen Community-Engagements gestellt und zugleich als beginnende internationale Bewegung skizziert:

www.mediaed.org/cgibin/commerce.cgi?preadd=action&key=146

»Commons in Action«
Die Wissenschaftsvereinigung International Association for the Study of Commons
(IASC) produziert seit 2013 eine Serie von englischsprachigen Kurzfilmanimationen,
»Commons in Action«, unter dem Motto: »Commons sind heute Realität«. Hier zu sehen:

Sie führen kurz und knapp in einige zentrale Konzepte ein und stellen
internationale Projekte vor, meist Preisträger der IASC. Nützlich und gut drei
Minuten lang ist auch die Einführung in den Begriff:

»The Commons. Beyond the State, Capitalism and the Market«
Dieses 36-minütige, englischsprachige Video, in dem auch eine geistesgeschichtliche
Einordnung, beispielsweise über Eigentumskonzepte, vorgenommen wird, veröffentlichte das links-libertäre Anarchist Collective im Jahr 2013. Nicht nur zentrale Begriffe wie Einhegungen, Resilienz oder Fülle werden erläutert, sondern auch die Desig-Prinzipien für langlebige Commons-Institutionen von Elinor Ostrom et al. Hier zu sehen:

und hier nachzulesen:

https://theleftlibertarian.wordpress.com/2013/09/11/thecommons-beyond-the-state-capitalism-and-the-market/

»The Promise of the Commons«
»Das Versprechen der Commons« wurde im Jahr 2014 von John D. Liu sowie der indischen Nichtregierungsorganisation Foundation for Ecological Security (FES) produziert. Besondere Aufmerksamkeit kommt der Umweltsituation im globalen Süden zu. Auf Youtube finden sich verschiedene Ausschnitte aus diesem insgesamt 50-minütigen Beitrag in englischer Sprache:

»Better No More. Principles and Practices towards the next Economy«
Dieses 5-minütige Video in englischer Sprache ist eine Produktion von Kontent
Film, USA, sowie der Edge Funders Alliance, einem internationalen Zusammenschluss
kritischer Stiftungen und Geberorganisationen. Der Film entstand 2015
und konzentriert sich auf vier Aspekte der Commons: Natur entkommerzialisieren,
Arbeit neu denken, Wissen befreien, Wohlstand demokratisieren.

www.kontentfilms.com/work/genres/shorts/better-not-more

»The Commons«
Fünf Jahre hat der Filmemacher Kevin Hansen an diesem Dokumentarfilm gearbeitet.
Entstanden ist ein Film über Gemeinschaften aus aller Welt, die nach alten Commons-Prinzipien wirtschaften. 49 Gemeinschaften in Nord- und Südamerika, Asien und Europa wurden interviewt. Sie erklären, wie sie Commons über Jahrhunderte lebendig halten. »Commons«, so Hansen, »sind ein alt-neuer Open-Source-Code rund ums Teilen von Ressourcen«. Die Website zum Film:
http://commonsfilm.com/

70 Jahre WSI: Gesellschaft im Umbruch. Aufgaben einer arbeitnehmerorientierten Wissenschaft

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) wird 70 Jahre alt. Das WSI-Herbstforum blickt vom 23.-24.11. auf die Geschichte des WSI zurück, möchte aber auch Perspektiven und aktuelle Aufgaben einer arbeitnehmerorientierte Sozialforschung diskutieren. Das Ganze gibt es ab morgen auch in einem Livestream:

http://boeckler.de/veranstaltung_66213.htm

Das WSI initiierte maßgeblich die in der Mitte der 1970er Jahre in den Wirtschaftswissenschaften kontrovers diskutierte Perspektive einer „arbeitnehmerorientierten Einzelwirtschaftslehre“ (AOEWL), welche sich als Gegenentwurf zu einer sogenannten „kapitalorientierten Betriebswirtschaftslehre“ verstand. Vergleiche hierzu auch mein Arbeitspapier:

https://www.academia.edu/13924756/Die_arbeitsorientierte_Einzelwirtschaftslehre_AOEWL_ein_fast_vergessener_Ansatz_kritischer_Management-_und_Organisationsforschung

Selbstverwaltete Betriebe – der Fall Vio.Me. in Griechenland

Die Idee der Selbstverwaltung und die Versuche der Organisation von selbstverwalteten Betrieben gewannen in Deutschland in den 1970er Jahren an Popularität. Vor dem Hintergrund der multiplen Krisenereignisse ab 2007ff. erlangte die Idee der Selbstverwaltung und der self-managed company als alternative, demokratische und solidarische Organisationsform wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Einen möglicherweise exemplarischen Fall – auch hinsichtlich der Unerwünschtheit und des prekären Status selbstverwalteter Betriebe –  stellt das griechische Unternehmen Vio.Me. dar. Allerdings ist der Ausgang noch offen: Erst vor einigen Wochen scheiterte der von zahlreichen Protesten und Solidaritätsbekundungen begleitete Versuch der Versteigerung des selbstverwalteten Unternehmens. Zur Geschichte der Ereignisse siehe hier:

http://www.viome.org/

Vio.Me. war zugleich Veranstaltungsort des ‚Second Euromediterranean „Worker’s Economy“ Meeting‘ Ende Oktober 2016. Im Programm wurden zahlreiche weitere Beispiele selbstverwalteter Betriebe diskutiert:

euromedworkerseconomy.net

(Vielen Dank an Sarah Langer für den Hinweis auf Vio.Me. und die Tagung)

Interesting Call for Papers – „Organizing Outsiders and their Spaces“ on 17th Annual Ethnography Symposium in Manchester

The stream „Organizing Outsiders and their Spaces“  is part of the 12th Annual Ethnography Symposium at the University of Manchester next year (30th August – 1st September 2017). Keynote speakers will be: Professor Emma Crewe (SOAS, University of London); Professor Bruno Latour (Sciences Po); Professor Bill Maurer (University of California, Irvine) and Professor Hugh Willmott (CASS Business School, London).

Convenors of Stream 20: „Organizing Outsiders and their Spaces“ are Mona Florian, Jana Costas (European University Viadrina) and Gideon Kunda (Tel Aviv University).

You can submit an abstract or proposal (not more that 500 words) by Tuesday 28th February 2017 to florian@europa-uni.de. Decisions on acceptance will be made by 30th March 2017.

More information about the conference:

http://www.confercare.manchester.ac.uk/events/ethnography/

The Call for Paper: stream-20_organizing-outsiders-and-their-spaces-1