Schlagwort-Archiv: Ökonomie

Neue Veröffentlichung in Managementforschung 27(1): „Von anderen Organisationen – Ein Essay über Perspektiven kritischer Organisationsforschung“

Eine kleine Eigenwerbung: Mein Artikel „Von anderen Organisationen – Ein Essay über Perspektiven kritischer Organisationsforschung“ ist nun in der Managementforschung 27(1) erschienen.

Link zum Beitrag: https://doi.org/10.1365/s41113-017-0018-3

Eine Vorabversion findet sich auf Academia und Researchgate:

https://tu-chemnitz.academia.edu/RonaldHartz

https://www.researchgate.net/profile/Ronald_Hartz

Zusammenfassung:

Der Essay geht von der Beobachtung aus, dass trotz der Allgegenwart von Kritik die kritische
Praxis sich auf einem notorisch schwankenden Grund befindet sowie angesichts propagierter
gesellschaftlicher  Alternativlosigkeiten  und  eines  herrschenden  zynischen  Bewusstseins  als
ein eher naives und trübsinniges Geschäft erscheint. Mit Blick auf die Organisationsforschung
werden deshalb mit der immanenten Kritik, der an Foucault anschließenden Genealogie sowie
der welterschließenden Kritik drei Perspektiven kritischer Organisationsforschung diskutiert,
welche der kritischen Praxis schärfere Konturen verleihen. Mit der welterschließenden Kritik,
welche sich der Sichtbarmachung von Heterotopien, von anderen und alternativen Formen des
Organisierens widmet, wird eine kritische Praxis vorgeschlagen, welche den Gegensatz von
Affirmation  und  permanenter  Kritik  unterläuft  und  so  zu  einer  Revitalisierung  von  Kritik
beitragen kann.

Schlüsselwörter
Critical  Management  Studies  ·  Foucault  ·  Genealogie  ·  Heterotopie  ·  Immanente  Kritik  ·
Kritische Organisationsforschung · Welterschließung

Abstract

The  essay  starts  with  the  observation  that,  despite  the  omnipresence  of  criticism,  critical
practice  is  on  a  notoriously  fluctuating  ground.  Even  more  the  propagated  lack  of  social
alternatives  and  a  dominant  cynical  consciousness  turns  critique  to  a  rather  naive  and  dull business.  Regarding  organizational  research,  the  perspectives  of  immanent  criticism,
Foucault’s  genealogy,  and  critique  as  world-disclosure  are  discussed  to  give  the  critical
practice sharper outlines. With world-disclosure devoted to the visualization of heterotopies,
that is of alternative forms of organization, a critical practice is suggested which undermines
the  opposition  between  affirmation  and  permanent  criticism,  and  thus  contributes  to  a
revitalization of critique.

Keywords
Critical  Management  Studies  ·  Critical  organization  studies  ·  Foucault  ·  Genealogy  ·
Heterotopia · Immanent critique · World-disclosure

Erinnerung – Anmeldung zu unserem Workshop „Ästhetik und Organisation – Inszenierung und Ästhetisierung von Organisation, Arbeit und Management“

Eine Anmeldung zum 5. Workshop des Forums „Kritische Organisationsforschung“ zum Thema „Ästhetik und Organisation – Inszenierung und Ästhetisierung von Organisation, Arbeit und Management“ ist noch bis zum 15. September möglich!

Der Workshop findet am 5.-6. Oktober 2017 an der Universität Duisburg-Essen statt.

Alle Informationen zum Workshop und zur Anmeldung finden sich hier:

Anmeldung und Programm „Ästhetik und Organisation“

Workshop: Unternehmen zwischen Zukunftsfähigkeit und Wachstumszwang – Call for Papers

Vom 17. bis 19. November 2017 findet in Hannover ein Workshop zum Thema „Unternehmen zwischen Zukunftsfähigkeit und Wachstumszwang“ statt. Beiträge können noch bis zum 30. September eingereicht werden. Aus dem Call:

„Trotz den Erfolgen der Umweltpolitik werden „planetare Grenzen“ wegen wirtschaftlicher Expansion immer weiter überschritten. Gleichzeitig werden auch die sozialen Versprechen der Wachstumspolitik zunehmend gebrochen und die Polarisierungen nehmen regional, wie sozial immer weiter zu. Sowohl Staaten als auch einige Unternehmen stellen Wachstumspolitik jedoch als nahezu alternativlos dar. Liegt dies an einem kulturellen Phänomen, einem „Wachstumsparadigma in den Köpfen“? Oder spielen vielmehr systemische Zwänge eine Rolle, denen Unternehmen und Staaten unterliegen, weil ohne Wachstum die Existenz bedroht oder ökonomische und soziale Stabilität gefährdet sind? Wie lässt sich dies mit der Empirie verbinden, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen gar nicht wachsen?

Wir suchen deshalb innerhalb und außerhalb der Marktwirtschaft Entwicklungspfade, die Abhängigkeit von Wachstum zu überwinden. Sowohl unternehmerische System-Innovationen und Neugründungen als auch Transformationspfade innerhalb bestehender Unternehmungen bieten hier Potentiale.

Inhaltliches Ziel dieses Workshops ist es, durch die Beiträge der Teilnehmenden die Möglichkeiten und Grenzen unternehmerischen Handelns für eine zukunftsfähige Ökonomie jenseits des Wachstums auszuloten. Dafür nehmen wir insbesondere Wachstumszwänge auf unternehmerischer Ebene in den Blick und analysieren ihre Einbettung in makroökonomische Strukturen. Auf dieser Basis werden wir untersuchen, welche Maßnahmen nötig sind, um die Abhängigkeit vom Wachstum zu lösen. Darüber hinaus wollen wir auf dem Workshop gemeinsame Prozesse oder Projekte entwickeln, um noch offene Forschungsfragen zu bearbeiten und zu evaluieren, ob unsere Erkenntnisse für die unternehmerische Praxis relevant sind.

Wir freuen uns auf Beiträge, welche Sie bis zum 30. September 2017 an Jonathan Barth einreichen können. Sie können uns bereits publizierte Artikel oder eigens angefertigte Papiere (mindestens 10.000 Zeichen, inkl. Leerzeichen) zusenden. Diese Beiträge dienen als Bewerbung zum Workshop, der in einer kollaborativen und diskursiven Atmosphäre mit 15-20 Teilnehmer*innen stattfinden wird. Der Workshop ist eine Kooperation von Zoe – Institut für zukunftsfähige Ökonomien, Arbeitsgruppe Wachstumszwang der Vereinigung für ökologische Ökonomie und der Wissenschaftlicher Arbeitsgruppe nachhaltiges Geld und knüpft an den Workshop im Februar 2017 an.“

Weitere Informationen gibt es hier: http://geld-und-nachhaltigkeit.de/events/workshop-zukunftsfaehige-unternehmen/

 

Call for papers Sub-Theme 05: Organizing Resilience: In, Against, Despite and Beyond Capital, LAEMOS 2018, Buenos Aires, March 22-24

Call for papers Sub-Theme 05: Organizing Resilience: In, Against, Despite and Beyond Capital, LAEMOS 2018, Buenos Aires, March 22-24

Convenors:

Ana C. Dinerstein A.C.Dinerstein@bath.ac.uk

Luciana Ghiotto luciana.ghiotto@gmail.com

F. Harry Pitts fh.pitts@bristol.ac.uk

Patrizia Zanoni patrizia.zanoni@uhasselt.be

*Deadline abstract submission (up to 1000 words): September 30, 2017.*

Extract from the CfP:

„This stream welcomes submissions that recode the concept of resilience away from survival within the present organisation of work and economic life, towards the development of alternatives ‘in, against and beyond’ capitalism. In critical management studies, resilience is associated with resistance within organizations and how working place resistance relates to other spheres in civil society (Spicer and Böhm 2007). Social movement organizations’ role is regarded as the ‘sites’ for the creation of novel organizational subjectivities and ethical practices’ (Munro, 2014: 1127). This approach demands to ‘reposition organization theory’ towards an anti-hegemonic approach (Böhm 2006: 104) that links critical organization studies with developments in anti-capitalist movements towards the renewal of organization studies (Reedy, 2014: 652) in the direction of utopia (on this see Parker –ed. 2002).“

You can find the full CfP as well as the other streams of the conference at the conference website: https://www.laemos2018.com/

Post-Capitalistic Politics in the Making: Practices of Alternative Economics – Special Issue, Organization 24(5)

Special Issue: Post-Capitalistic Politics in the Making: Practices of
Alternative Economics, Organization 24(5)

http://journals.sagepub.com/toc/orga/24/5

EDITORIAL
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Post-capitalistic politics in the making: The imaginary and praxis of
alternative economies
Patrizia Zanoni, Alessia Contu, Stephen Healy, Raza Mir

ARTICLES
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Entrepreneurial reproductive labor as alternative economic practice: The
ambivalent discourse of seasonal consignment sales
Alexis Bryson, Sarah E. Dempsey

The illusion of the digital commons: ‘False consciousness’ in online
alternative economies
Marinus Ossewaarde, Wessel Reijers

Alternative organizations in finance: Commoning in complementary
currencies
Camille Meyer, Marek Hudon

Spaces of open-source politics: Physical and digital conditions for
political organization
Emil Husted, Ursula Plesner

Supporting alternative organizations? Exploring scholars’ involvement
in the performativity of worker-recuperated enterprises
Susana C Esper, Laure Cabantous, Luciano Barin-Cruz, Jean-Pascal Gond

Gemeinnützige Genossenschaft als Rechtsform für Alternativbetriebe

Die Frage möglicher Rechtsformen und den damit verknüpften partizipativen und basisdemokratischen Elementen ist bedeutsam für alternative Organisationsformen. Die gemeinnützige Genossenschaft stellt eine Möglichkeit dar – hierzu ein knapper Bericht über den zu den Höfen der solidarischen Landwirtschaft (SoLAWi) zählenden Vauß-Hof in der Zeitschrift contraste:

http://www.contraste.org/index.php?id=269

Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW)

Im Oktober 2016 wurde die Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) (Association for SocioEconomic Education and Research) gegründet. Ziel ist die Förderung einer pluralistischen und interdisziplinären Ausrichtung der Lehre und Forschung in den Wirtschaftswissenschaften. Aus der Gründungserklärung des Vereins:

„Der Ruf nach interdisziplinärem Denken und Forschen steht auf der öffentlichen Agenda seit einigen Jahren weit oben. Die Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) trägt den Forderungen nach einer Erneuerung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Lehre Rechnung. Ihrem Selbstverständnis nach stellt sich sozioökonomische Bildung und Wissenschaft weniger als eine Natur-, son­dern vielmehr als eine multiparadigmatische Sozialwissenschaft dar. Sie verpflichtet sich den Prinzipien der Interdisziplinarität, Pluralität und Kontroversität ebenso wie der permanenten ethischen Reflexion. Dies betrifft die Lehre an den Hochschulen ebenso wie den Unterricht an Schulen, verbreitet sich die Forderung nach (mehr) Pluralismus doch vielmehr institutionenübergreifend.“

Zur Tätigkeit des Vereins zählen auch jährliche Fachtagungen. Die 2. Jahrestagung der GSÖBW zum Thema „Historizität und Sozialität in der sozioökonomischen Bildung“ findet vom 27.2-1.3.2018 in Tutzing statt.

Zur Homepage: https://soziooekonomie-bildung.eu/

Als Einstieg in das Feld der Sozioökonomie empfiehlt sich zudem:

Hedtke, Reinhold (Hrsg.) (2015): Was ist und wozu Sozioökonomie? Wiesbaden: Springer VS.

http://www.springer.com/de/book/9783531198521

 

Diskurs und Ökonomie #22: Die manövrierunfähigen Tanker der Ökonomie

Für Jürgen Link (2009, S. 368ff.) spielen im Bereich der Kollektivsymbole die ‚technischen Vehikel‘ (Schiff, Eisenbahn, Auto, Flugzeug, Raum-Schiff) und die Körpersymbolik eine quantitativ als auch qualitativ überragende Rolle. An früherer Stelle wurde etwa auf die Auto-Symbolik und auf Körpersymbolik im Sinne von bedrohlichen Krankheiten (Virus) als Form der Symbolisierung der Ökonomie verwiesen. Nun liefert die TAZ in einem Kommentar zum ‚Dieselgipfel‘ ein schönes Beispiel für die Schiffssymbolik. Über die Autokonzerne heißt es:

„Sie sind wie manövrierunfähige Tanker, die nur geradeaus fahren können. Vielleicht können sie aus eigener Kraft noch minimal abbremsen. Aber sie steuern unweigerlich auf die Klippe zu. Die betrügerische Bande wird aus falsch verstandenem Selbsterhaltungstrieb weitermachen, auflaufen und untergehen. Jeder weiß das.“ (TAZ vom 3.08.2017, S.1)

Hervorgerufen wird erstens das Bild schierer Größe und auch Trägheit. Die ‚Manövrierunfähigkeit‘ verstärkt dieses Bild, insofern eine ganze Industrie nun unkontrollierbar auf die Katastrophe, die Klippe (des Ruins) zufährt. Kein Verantwortlicher, keine(r) welcher die Unternehmen ‚manövrierfähig‘ machen und ‚lenken‘ könnte, scheint in Sicht. Was hier fehlt ist der oftmals in diesem Bildbereich anzutreffende ‚Steuermann‘ oder auch der ‚Kapitän‘, welcher vielleicht den ‚Stürmen der Globalisierung‘ oder dem ‚Tsunami‘ der Krise trotzt, gelegentlich aber auch einmal ‚das Schiff verlässt‘. Niemand ist also in diesem Beispiel zunächst zu finden, den man womöglich zur Verantwortung ziehen könnte – die schiere Größe und Schwerfälligkeit scheinen dem entgegenzustehen.

Dann aber ein Bildbruch, eine Katachrese: Aus den Tankern werden ‚betrügerische Banden‘, welche ‚untergehen‘. Oder sollte die Schiffsbesatzung gemeint sein? Aber auch hier nur ein generischer kollektiver Akteur. Zudem nun das Bild von Kriminellen, zu verstehen als Abweichung von der ökonomischen Normalität.

In all dem verdichtet wird das Drama einer Branche entworfen, deren Untergang man beiwohnt. Mal wieder Titanic, diesmal aber ohne Glamour. Deutlich wird auch hier die Affektbesetzung – der Thrill – des ökonomischen Diskurses, welcher sich subjektiv in Besorgnis, Panik, Hoffnung oder Optimismus transformiert.

Da ist es dann – kritisch gewendet – schon verwunderlich, wie agil man hinsichtlich von Umtauschprämien für alte Diesel agiert, wie agil man auch am ‚Dieselgipfel‘ beteiligt war. Man sollte also vorsichtig damit sein, einem Tanker – wenn man denn diesem Bild folgen möchte – allein Schwerfälligkeit zuzusprechen. Er ist auch ein Symbol – wenn auch nicht in diesem TAZ-Kommentar – von ökonomischer und politischer Macht.

Quelle

Link, Jürgen (2009): Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird. 4. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.