{"id":1789,"date":"2016-11-01T15:58:51","date_gmt":"2016-11-01T13:58:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kritische-organisationsforschung.de\/?p=1789"},"modified":"2016-11-01T15:58:51","modified_gmt":"2016-11-01T13:58:51","slug":"ard-themenwoche-zukunft-der-arbeit-weitere-eindruecke-zur-diskursiven-rahmung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kritische-organisationsforschung.de\/?p=1789","title":{"rendered":"ARD-Themenwoche &#8222;Zukunft der Arbeit&#8220; &#8211; weitere Eindr\u00fccke zur diskursiven Rahmung"},"content":{"rendered":"<p>Gerade findet in der ARD die Themenwoche <strong>&#8222;Zukunft der Arbeit&#8220;<\/strong> statt. Beitr\u00e4ge unterschiedlichster Art &#8211; vom Krimi \u00fcber zahlreiche Reportagen bis hin zu Talkshows &#8211; wurden und werden hierbei gesendet:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ard.de\/home\/themenwoche\/ARD_Themenwoche_2016_Zukunft_der_Arbeit\/3235538\/index.html\">http:\/\/www.ard.de\/home\/themenwoche\/ARD_Themenwoche_2016_Zukunft_der_Arbeit\/3235538\/index.html<\/a><\/p>\n<p>Werner Nienh\u00fcser nimmt auf seinem Blog <a href=\"https:\/\/employmentrelations.wordpress.com\/\">Employment Relations<\/a> eine erste kritische Einsch\u00e4tzung vor, welche ich hier gerne wiedergebe und kurz erg\u00e4nzen m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote><p>Eine gute bzw. gut gemeinte Sache?\u00a0 Ein nicht so kleines Aber: Die Sendungen scheinen mir sehr stark zum einen auf die Ersetzung von menschlicher Arbeitskraft durch (i.w.S.) Maschinen, zum anderen auf die Folgen f\u00fcr das Individuum (Abstieg, Armut) zentriert zu sein. Eine solche Perspektive k\u00f6nnte folgende Funktionen erf\u00fcllen: Sie vermitteln ein Gef\u00fchl der Ersetzbarkeit eines jeden Einzelnen. Als L\u00f6sung wird lediglich angef\u00fchrt, man m\u00fcsse sich eben individuell f\u00fcr den Wandel qualifizieren. Das sch\u00fcrt Konkurrenz und r\u00fcckt lediglich individuelle (Re)aktionen in den Blick. Technische Ver\u00e4nderungen werden als gleichsam unver\u00e4nderlich dargestellt, kollektive Gestaltungsm\u00f6glichkeiten (oder gar M\u00f6glichkeiten der Gegenwehr) werden nicht thematisiert und damit ausgeblendet. \u2013 Ja, richtig, ich kann die Sendungen noch gar nicht gesehen haben und werde auch nicht alle sehen k\u00f6nnen. Es ist auch lediglich eine Vermutung von mir \u00fcber die Effekte f\u00fcr den Diskurs, von der ich hoffe, dass sie sich nicht best\u00e4tigt. (Quelle: <a href=\"https:\/\/employmentrelations.wordpress.com\/2016\/10\/31\/ard-themenwoche-zukunft-der-arbeit\/\">https:\/\/employmentrelations.wordpress.com\/2016\/10\/31\/ard-themenwoche-zukunft-der-arbeit\/<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Sicher zeigt sich zun\u00e4chst eine hohe Diversit\u00e4t in den Beitr\u00e4gen zur Themenwoche &#8211; diese m\u00fcsste noch erheblich genauer betrachtet werden. Wichtig erscheint mir zun\u00e4chst, wie denn die &#8222;Zukunft der Arbeit&#8220; diskursiv gerahmt wird, und Werner Nienh\u00fcser gibt hier bereits ein paar wichtige Eindr\u00fccke wieder. Drei Aspekte dieser Rahmung lassen sich, nach meinen ersten Eindr\u00fccken, erg\u00e4nzen:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Rahmen der Woche scheint stark vom Begriff &#8222;Digitalisierung&#8220; gepr\u00e4gt. &#8222;Digitalisierung&#8220; wird auf der gleichen Ebene wie &#8222;Globalisierung&#8220; angesiedelt und wird, wie bei &#8222;Globalisierung&#8220; hinl\u00e4nglich bekannt, als Naturereignis in den Diskurs eingef\u00fchrt. In der Ank\u00fcndigung zur Themenwoche hei\u00dft es:<\/li>\n<\/ol>\n<blockquote><p>Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat l\u00e4ngst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. &#8222;Industrie 4.0&#8220;, &#8222;Sharing-\u00d6konomie&#8220; oder &#8222;Cloud-Working&#8220; hei\u00dfen die Schlagworte. Das &#8222;Internet der Dinge&#8220; wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker m\u00f6glich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den B\u00fcros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von G\u00e4stezimmern. Aber wer sind bei all diesen Ver\u00e4nderungen eigentlich Gewinner und Verlierer? (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ard.de\/home\/intern\/presse\/pressearchiv\/ARD_Themenwoche_2016___Zukunft_der_Arbeit_\/3135958\/index.html\">http:\/\/www.ard.de\/home\/intern\/presse\/pressearchiv\/ARD_Themenwoche_2016___Zukunft_der_Arbeit_\/3135958\/index.html<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>2. Der Begriff &#8222;Digitalisierung&#8220; dient zugleich als neue Umschreibung von &#8222;Rationalisierung&#8220; (welche das unausgesprochene Zentrum des Diskurses ist). Implizit geht es um Effizienz, Wachstum, den Einsatz von Technologie i.S. instrumenteller Vernunft. Das \u00f6konomische Narrativ hinter der &#8222;Zukunft der Arbeit&#8220; scheint somit dem Anschein nach nichts Neues anbieten zu k\u00f6nnen; es ist letztendlich eher Verl\u00e4ngerung der Gegenwart als eine irgendwie anders geartete Zukunft. Deutlich scheint mir diese Rahmung beim sogenannten &#8222;Job-Futuromat&#8220; zu sein. Beim &#8222;Job-Futoromat&#8220; gibt man einen Beruf an und erf\u00e4hrt, welche T\u00e4tigkeiten dieses Berufes heute bereits automatisiert werden k\u00f6nnen. In den Erl\u00e4uterungen zum &#8222;Job-Futuromat&#8220; wird das technisch und \u00f6konomische Narrativ deutlich, lediglich abgeschw\u00e4cht durch m\u00f6gliche rechtliche Fragen oder ethische \u00dcberlegungen &#8211; eine politische \u00d6konomie l\u00e4sst sich daraus sicher nicht gewinnen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es muss aber nicht sein, dass eine T\u00e4tigkeit, die als momentan automatisierbar eingestuft wurde, in den n\u00e4chsten Jahren tats\u00e4chlich automatisiert wird. M\u00f6glicherweise ist die menschliche Arbeit hier wirtschaftlicher, flexibler oder von besserer Qualit\u00e4t. Auch rechtliche oder ethische H\u00fcrden k\u00f6nnen einer Automatisierung entgegenstehen.&#8220; (Quelle: http:\/\/job-futuromat.ard.de\/faq.html)<\/p><\/blockquote>\n<p>3. Erscheinen einem &#8218;ethische H\u00fcrden&#8216; schon als nicht sonderlich beruhigend, erscheint mir schlie\u00dflich ein weiterer Aspekt der Anrufung des Fernsehzuschauern oder des Nutzers der Online-Angebote bedeutsam. Hier gilt &#8211; wiederum bezogen auf den &#8222;Job-Futuromat&#8220; &#8211; dass sich niemand seiner Arbeit sicher sein sollte. Wenn man etwa Hochschullehrer als Beruf angibt, wird eine null-prozentiger Grad der Automatisierbarkeit angezeigt. Aber merke auf:<\/p>\n<blockquote>\n<h2><b>Bleibt in meinem Job alles beim Alten, wenn der Grad der Automatisierbarkeit niedrig (oder 0%) ist?<\/b><\/h2>\n<p>Auch in Berufen mit einem <b>niedrigen Grad der Automatisierbarkeit<\/b> \u2013 selbst von <b>0%<\/b> \u2013 ist es gut m\u00f6glich, dass in Zukunft T\u00e4tigkeiten automatisierbar sein werden, von denen wir uns heute noch nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass sie einmal von Maschinen, Robotern oder Computerprogrammen ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. (Quelle: http:\/\/job-futuromat.ard.de\/faq.html)<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit geht es zur\u00fcck zur Ausgangsrahmung. Aber keine Angst &#8211; f\u00fcr das verunsicherte Subjekt ist praktische Hilfe in Sicht:<\/p>\n<blockquote><p>Klar ist aber, dass der technische Fortschritt die Anforderungen an die menschliche Arbeit ver\u00e4ndert. Eine kontinuierliche berufliche Weiterbildung wird daher immer wichtiger. Informationen hierzu finden Sie bei der <a href=\"https:\/\/www.arbeitsagentur.de\/web\/content\/DE\/BuergerinnenUndBuerger\/Weiterbildung\/index.htm\" target=\"_blank\"><span class=\"s1\">BA<\/span><\/a><span class=\"s2\">. (Quelle: http:\/\/job-futuromat.ard.de\/faq.html)<\/span><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade findet in der ARD die Themenwoche &#8222;Zukunft der Arbeit&#8220; statt. 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