Kategorie-Archiv: Wissenschaft & Bildung

Publizieren oder Untergehen? – Special Issue in „Organization“

Die aktuelle Ausgabe von „Organization“ enthält eine Reihe von kritischen Beiträgen zum Publikationsbetrieb. Unter anderen betrachtet Hugh Willmott den Ranking-Fetischismus und dem u.a. durch Universitätsverwaltungen induzierten Publikationsdruck. Weiter reflektieren Martin Parker und Robyn Thomas den Status eines selbsternannten ‚kritischen‘ Journals wie „Organization“. Hier geht es zu den Abstracts:

What is a critical journal?
Martin Parker and Robyn Thomas
Organization 2011;18 419-427
http://org.sagepub.com/cgi/reprint/18/4/419

Articles


Journal list fetishism and the perversion of scholarship: reactivity and the ABS list
Hugh Willmott
Organization 2011;18 429-442
http://org.sagepub.com/cgi/content/abstract/18/4/429
The use and abuse of journal quality lists
Michael Rowlinson, Charles Harvey, Aidan Kelly, and Huw Morris
Organization 2011;18 443-446
http://org.sagepub.com/cgi/content/abstract/18/4/443
Listing perilously
Hugh Willmott
Organization 2011;18 447-448
http://org.sagepub.com/cgi/reprint/18/4/447
Free-Riding on Power Laws: questioning the validity of the Impact Factor as a measure of research quality in organization studies
Joel A. C. Baum
Organization 2011;18 449-466
http://org.sagepub.com/cgi/content/abstract/18/4/449
The skewed few: people and papers of quality in management studies
Stuart Macdonald and Jacqueline Kam
Organization 2011;18 467-475
http://org.sagepub.com/cgi/content/abstract/18/4/467

In eigener Sache: Workshop „Foucault und Organisation“

Am 19. und 20. Mai 2011 findet der zweite Workshop des Forums in Chemnitz statt. Dabei bilden konzeptionelle Fluchtlinien und empirische Perspektiven im Anschluss an Michel Foucault im Zusammenhang mit Veränderungen in und von Organisationen den diesjährigen Schwerpunkt. Zur Diskussion stehen insb. Studien zur (neoliberalen) Gouvernementalität und zu Anrufungen des Subjekts, zu Praktiken des Widerstands und der Heterotopie sowie diskurs- und dispositivanalytisch orientierte Arbeiten. Über die positive Aufnahme des Themas, die zahlreichen Einreichungen, Anfragen zur Teilnahme und schließlich auch über die konzeptionelle Breite der Beiträge haben wir uns sehr gefreut. Themen und Vortragende sind im Einzelnen:

  • Zwischen Organisationskultur und Organisationsmerkmalen: zeitgenössische Universitätsreform und unternehmerischer Aktivitätsmodus (Anna Kosmützky / Michael Borggräfe, Universität Kassel und DHV Speyer)
  • Lernservice-Infrastruktur – cui bono? Die Re-Organisation des Bildungssystems als Modus einer neoliberalen Gouvernementalität (Niels Spilker, FU Berlin)
  • Projektmanagement als Regierungsform (Yannick Kalff, Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • Zur Konstitution des Emotionsarbeiters (Daniela Rastetter, Universität Hamburg)
  • Diskurs- und Dispositivanalyse am Beispiel „Frauenquote“ (Gertraude Krell, FU Berlin)
  • „Catch me, if you can!“, shouts Homo oeconomicus … (Isabell Collien, FU Berlin)
  • Re-constructing age images in UK and Germany: Corporate and socio-politcal actors‘ rhetoric on age (management) discourses (Barbara Sieben / Heike Pantelmann / Michael Müller-Camen / Matt Flynn / Heike Schröder, FU Berlin und Middlesex University Business School)
  • „Emancipation from standards – Process management in the software development and its influence on technical innovations“ (Andrea Fried / Ronny Gey / Agnieta Pretorius / Lars Günther / Petrie Coetzee, TU Chemnitz und Tshwne University of Technology)
  • „Kritische Dekonstruktion“? – Ein paar Gedanken zum kritischen Potential des Sozialkonstruktivismus (Ingo Winkler , Universität Southern Denmark)
  • „Am Ende des Tages ist man immer auf sich gestellt.“ Macht und Widerstand in Medienunternehmen analysiert aus Sicht der Foucault Perspektive (Anne-Kristin Lehmann / Irma Rybnikova, TU Chemnitz)
  • Ausschließung, Einsperrung und vollkommen Anderes: Schulische Organisationen zwischen Heterotopien und panoptischen Blicken (Ina Herrmann, Universität Duisburg-Essen)

Das ganze Programm findet sich als PDF unter „Aktivitäten“.

Studie zur Forschungssituation an deutschen Universitäten

Das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung hat eine umfangreiche Studie zur Forschungssituation an den deutschen Universitäten veröffentlicht (Böhmer, Susan / Neufeld, Jörg / Hinze, Sybille / Klode, Christian / Hornbostel, Stefan, 2011: Wissenschaftler-Befragung 2010: Forschungsbedingungen von Professorinnen und Professoren an deutschen Universitäten. iFQ-Working Paper No.8. Bonn).

Die Studie ist als PDF verfügbar – hier der Link zur Seite des IFQ:

http://www.forschungsinfo.de/index.html

Es ist lohnenswert, einen längeren Abschnitt aus dem Fazit hier unkommentiert zu zitieren (wenngleich – dies sei gestattet – die ‚überraschenden Diskrepanzen‘ die AutorInnen als Kenner feiner Ironie auszeichnen):

„In einigen Punkten ergaben sich überraschende Diskrepanzen zwischen öffentlich überwiegend positiv verhandelten Reformmaßnahmen (Exzellenzinitiative, strukturierte Graduiertenausbildung) und dem Stimmungsbild in der Professorenschaft. Weder in Exzellenzwettbewerben noch in einer weiteren Ausdehnung der strukturierten Doktorandenausbildung wird Potential für die Stärkung des Wissenschaftsstandorts
gesehen. Insgesamt zeigte sich, dass einige Einschätzungen zur Forschungssituation
sich im Zeitverlauf deutlich verändert haben: Verstärkter Wettbewerb hat offenbar auch die Sensibilität für potenzielle Wettbewerbsverzerrungen steigen lassen.
Der Wettbewerb schlägt sich auch in der Bewertung der Situation im eigenen Fach nieder: 61 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten den Zwang Drittmittel einzuwerben für zu hoch oder viel zu hoch, den Publikationsdruck empfinden 48 Prozent und die durch Evaluationen hervorgerufenen Leistungsanforderungen 38 Prozent als zu hoch. Und auch den Antragsaufwand für Drittmittelprojekte halten 58 Prozent im Verhältnis zum Ertrag für zu hoch, auch wenn die Fördermöglichkeiten für anspruchsvolle Drittmittelforschung von 43 Prozent der Befragten als gut oder sehr gut eingeschätzt werden.
In der „Prioritätenliste“ der Maßnahmen und Reformen, die die Befragten persönlich zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts Deutschland für geeignet halten, finden sich die Forderungen nach Förderung von Interdisziplinarität, risikoreicher Forschung, emerging fields, internationaler Zusammenarbeit, der Kooperation von Forschungseinrichtungen, besserer Vertretung der Wissenschaft in der Politik und leistungsunabhängiger Grundfinanzierung. Den Spitzenplatz aber nimmt der Wunsch nach verlässlichen Karriereperspektiven und aktiver internationaler Rekrutierung von exzellenten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Ersteres halten 85 Prozent der Befragten für eine gute oder sehr gute Maßnahme.“ (Böhmer et al. 2011, S.158)

Bachelor im Mehrfachstress – Studierendensurvey

In der aktuellen Ausgabe von „Böckler Impuls“ (07/2011) werden die Ergebnisse eines Studierendensurveys zum Bachelor vorgestellt (siehe auch die Grafik).

Zusammenfassend heißt es:

Noch immer hakt es bei Bachelor-Studiengängen: Der Weg zum ersten Hochschulabschluss führt durch oft nur unzureichend abgestimmte Module – und über ständige Einzelprüfungen. Dadurch fehlt Zeit zur wissenschaftlichen Orientierung.“

Dass es ’noch immer hakt‘ könnte jedoch mit der grundsätzlichen Systematik des Bachelor und dessen modularer Logik zu tun haben. Ob die Reform der Reform von Studiendokumenten hier Abhilfe verschafft, bleibt dann abzuwarten.

Hier geht es zum kompletten Artikel: http://www.boeckler.de/32014_113587.html

… und hier zur Studie:

http://cms.uni-konstanz.de/ag-hochschulforschung/publikationen/studierendensurvey/