Archiv des Autors: Ronald Hartz

„Transformation durch Organisation“ – Tagung des Arbeitskreises »Empirische Personal-und Organisationsforschung«, 19./20.11. 2020, Flensburg

The Garden City Concept by Ebenezer Howard, 1902

The Garden City Concept by Ebenezer Howard, 1902

Ein spannendes Thema, welches die AKempor-Jahrestagung diesmal zum Gegenstand hat. Aus dem Call:

In den Diskussionen um die großen Herausforderungen der Gegenwart (Klimawandel,Digitalisierung, soziale Gerechtigkeit, Integration,etc.) wird immer wieder auf die Notwendigkeit tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozesse ver-wiesen.Ungeachtet aller Tendenzen einer Erosion herkömmlicher organisationaler Strukturen und Grenzen dürfte sowohl Wirtschafts-unternehmen als auch anderen Organisationen in diesen Prozessen eine kaum zu überschätzende Bedeutung zukommen: Sie fungieren als wesentliche »Transformationsriemen« zwischen öffentlichem Diskurs, politischer Rahmengestaltung und konkretem Verhalten.

Beiträge können bis zum 31.08.2020 eingereicht werden. Die Tagung selbst findet am 19./20. 2020 an der Europa-Universität Flensburg statt. Weitere Informationen finden sich hier:

CfP: Jahrestagung des Arbeitskreises »Empirische Personal- und Organisationsforschung« 2020

Warum sollte man sich mit Filmen über Arbeit, Organisation und Management beschäftigen?

Chaplin - Modern Times

Die Rubrik „Film und Organisation“ hat ein Update erfahren:

Neben einem kurzen, einführenden Text finden sich hier nun Verweise auf Datenbanken, eine Literaturliste sowie weitere Ressourcen. Anregungen und Hinweise zur Weiterentwicklung der Seite sind jederzeit willkommen!

 

 

Hier die Einführung zum Thema – Warum sollte man sich mit Filmen über Arbeit, Organisation und Management beschäftigen?

Die Auseinandersetzung mit Filmen im Kontext der Management- und Organisationsforschung erscheint als ein randständiges Unterfangen. Man könnte behaupten, da macht jemand (s)ein Vergnügen zum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung und verbindet somit die Lust am Bild mit der Lust am wissenschaftlichen Text. Dies hat einen wahren Kern – warum sollte wissenschaftliche Tätigkeit nicht auch lustvoll sein? Jedoch verrät eine solch skeptische Haltung etwas über die üblichen organisationalen und organisationstheoretischen Grenzziehungen, in welcher die Betrachtung von Filmen und Serien der Freizeit und der Konsumsphäre zugeschlagen wird, während man in der Sphäre der Organisation sich mit ernsten Dingen zu beschäftigen habe. Dabei wissen wir doch spätestens seit Karl Marx, dass Produktion und Reproduktion der Arbeitskraft zusammenzudenken sind. Für Max Horkheimer und Theodor W. Adorno ist das Kino Teil jener Vergnügungen, welche die Tristesse der organisierten Arbeit vergessen lassen: „Amusement ist die Verlängerung der Arbeit unterm Spätkapitalismus. Es wird von dem gesucht, der dem mechanisierten Arbeitsprozeß ausweichen will, um ihn von neuen gewachsen zu sein“ (Horkheimer/Adorno 1988: 145).

Kino und Film haben also hier eine ökonomische und ideologische Funktion, etwa sichtbar in den Aufstiegsmärchen des Weimarer Kinos, welche jene ‚kleinen Ladenmädchen‘ (Siegfried Kracauer) zur Rührung brachten. Ideologie als gesellschaftlich notwendiger Schein, welches in den Analysen von Siegfried Kracauer, dem Chronisten des Weimarer Kinos, deutlich sichtbar wird.

Film ist damit immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und insofern ein wertvoller Gegenstand für die Reflexion von Gesellschaft und deren Arbeits- und Organisationsverhältnissen. Das heißt dann für Kracauer: „Um die heutige Gesellschaft zu erforschen, hätte man also den Erzeugnissen ihrer Filmkonzerne die Beichte abzunehmen“ (Siegfried Kracauer 1977: 282).

Richtet man den Blick auf die Organisationsforschung, sprechen eine weitere Reihe von Gründen für eine Auseinandersetzung mit dem Medium Film. Zunächst liefern Filme und andere Formen der Populärkultur eine Darstellung von Organisationen, welche vom akademischen Diskurs der Organisations- und Managementforschung im Regelfall abweichen. So geht es sowohl in ästhetischer als auch inhaltlicher Hinsicht dramatischer und dynamischer als in den normalen Bahnen akademischer Artikelproduktion. Verhandelt werden Gewalt, Sexualität, Emotionen, Macht, Leiden, Aufstieg und Fall, Chaos und Ordnung und noch manches mehr (Hassard und Holliday 1998: 1).

Damit transportiert Populärkultur auch ein ernstzunehmendes Wissen über moderne Arbeits- und Organisationsverhältnisse, welches wissenschaftlich fruchtbar gemacht werden kann. Ein Wissen, welches sich aus der genauen Beobachtung, aus eigenen Erfahrungen oder den gesellschaftlichen Diskursen speisen kann und diese dann selbst wieder bereichert – sei es in Form des Comic Strips bei Dilbert oder in subversiven Serien über den Büroalltag wie The Office. Was sich dort findet bzw. finden lässt kann Inspiration sein, manch ausgetretenen Pfad der Forschung zu verlassen.

Damit lässt sich ein letzter, vielleicht der zentrale Punkt benennen, warum eine Auseinandersetzung mit Film im Rahmen der Management- und Organisationsforschung lohnend ist. Für Kracauer waren die Filme Spiegel der Gesellschaft. Nun lässt sich durchaus behaupten (und Kracauer war sich dessen bewusst), dass diese nicht nur Spiegel, sondern aktiver Produzent von Gesellschaftsbildern sind und damit Film und Populärkultur auch einen Einfluss auf ‚unser‘ Verständnis von Organisation, Management und Arbeit und, mehr noch, auch unser Handeln in Organisationen nicht unberührt lässt. Die Dilbert Comic-Strips, welche eine Zeitlang so manches Büro zierten, bestärkte die eigene Vermutung ob der grundsätzlichen Absurdität des Managementhandeln. Jene japanischen Investmentbanker, welche sich ihre Haare wie Gordon Gekko in Wall Street frisieren, möchten wohl nicht nur die Frisur imitieren, sondern auch die Cleverness, Härte und Energie jenes filmischen (Anti-)Helden. Populärkultur und also auch Filme sind performativ, sie arbeiten an unseren Konstruktionen von unternehmerischer und managerialer Wirklichkeit mit. Und hinsichtlich dieser Performativität sind Sie einem wissenschaftlichen Text im Regelfall überlegen: “For most people, the latest blockbuster matters, whilst the latest critical management studies text doesn’t even appear on the radar” (Parker 2002: 134).

Quellen

Hassard, J., & Holliday, R. (1998). Introduction. In J. Hassard & R. Holliday (Hrsg.), Organization-representation: Work and organizations in popular culture (S. 1–15). Sage.

Horkheimer, M., & Adorno, T. W. (1988). Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente. Fischer Taschenbuch Verlag.

Kracauer, S. (1994). Das Ornament der Masse: Essays. Suhrkamp Verlag.

Parker, M. (2002). Against management: Organization in the age of managerialism. Polity Press.

Neue Publikation – Ästhetik und Organisation: Ästhetisierung und Inszenierung von Organisation, Arbeit und Management

Aesthetik_und_Organisation_CoverEnde vergangenen Jahres ist der von Werner Nienhüser (Universität Duisburg-Essen), Matthias Rätzer (Technische Universität Chemnitz) und mir herausgegebene Band zum Verhältnis von Ästhetik und Organisation erschienen.

Die Beiträge des Bandes diskutieren die Ästhetisierung und Inszenierung von Arbeit, Organisation und Management im Kontext der Diagnose eines ästhetischen Kapitalismus, einer fortschreitenden Kulturalisierung der Ökonomie und des Aufstiegs kreativer, immaterieller und ästhetischer Arbeit. Unternehmen, Arbeitsprozesse, Produkte und Dienstleistungen geraten zunehmend in den Fokus ästhetischer Gestaltung – es geht um Aussehen, Ausstrahlung, Glanz und Atmosphäre. Der Band thematisiert dabei auch problematische Effekte einer Ökonomisierung des Ästhetischen und einer Ästhetisierung der Ökonomie und erschließt somit neue Perspektiven für eine kritische Organisationsforschung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – Günther Ortmann

Ästhetik und Organisation – Pfade durch ein sich entwickelndes Forschungsfeld – Ronald Hartz, Werner Nienhüser und Matthias Rätzer

Praxis und Kritik ästhetischer Arbeit – Hannes Krämer

Organisationale Ästhetik versus organisationale Anästhetik – Eine atmosphärentheoretisch fundierte Analyse von Machtkonstellationen in Organisationen – Christian Julmi

Tanz, Organisation und Leadership: Eine kritische und ästhetische Perspektive – Brigitte Biehl

Alltagsästhetik der Arbeit – Was wir zeigen, wenn wir über Arbeit sprechen – Pierre Smolarski

Transparenz als Inszenierungsmittel von Kreativität und Innovation – Julia Deppe

Zur Ästhetisierung der Finanzmärkte – Eine explorative Analyse des Films The Wolf of Wall Street – Ronald Hartz und Simon Kötschau

Ästhetische Arbeit: Erkundungen am Beispiel eines Kinobetriebs – Irma Rybnikova und Markus Kleiszmantatis

Die (Wieder-)Erfindung der Welt: die Rolle ästhetischer Praktiken in pädagogischen Experimenten mit alternativen Räumen des Organisierens – Anke Strauß

Weitere Informationen zum Band finden sich auf der Verlagsseite:

https://www.springer.com/de/book/9783658219772

Moral Critique in and around Markets: Organizing (for) Alternatives in Troubled Times – Workshop at Witten/Herdecke University

Looking forward to this workshop, organized by Simone Schiller-Merkens and Philip Balsiger, and to a lot of interesting topics and speeches,  taking place at Witten/Herdecke University this Thursday and Friday!

The aim of this research workshop is to look more deeply into the kinds of alternative organizing models for and in the economy that are currently discussed in the social sciences, and to explore their implications for markets and organizations.

You can find more information and the full program here:

https://www.uni-wh.de/en/uwh-international/university/faculty-of-management-and-economics/institutes-and-institutions/reinhard-mohn-institute-of-management-rmi/#witten-conference-2019

Measuring the Cooperative Economy

Twinpines.svgThe University of Wisconsin Center for Cooperatives (UWCC) works on a project to explore, map and visualize the landscape of cooperatives in the United States.

Take a look at these interesting maps and datas right here:

Measuring the Cooperative Economy

Any information about similar attempts for other nations, branches or regions is always welcome!

7th International Degrowth and 16th ISEE Joint Conference, Manchester 2020

The 7th International Degrowth and 16th ISEE Joint Conference takes place from 1 – 5 September 2020 at The University of Manchester, UK. Deadline for the submission of sub-themes is 30th October. More information:

http://www.confercare.manchester.ac.uk/events/degrowth2020/

Call for Papers: Freedom, work and organizations in the 21st century – Freedom for whom and for whose purpose?

Another interesting call for papers for a special issue of the journal Human Relations:

Freedom, work and organizations in the 21st century – Freedom for whom and for whose purpose?

Guest Editors: Lynne Andersson, Dirk Lindebaum, James Chamberlain, Michelle Greenwood, Frank den Hond

The deadline for submissions is 1 June 2020 with submissions submitted no earlier than 01 May 2020.

Call for Papers for a Special Issue of Organization: Decolonising Management and Organisational Knowledge

Call for Papers for a Special Issue of Organization
Decolonising Management and Organisational Knowledge

Deadline: 30th November 2019

Guest Editors
Nimruji Jammulamadaka (IIM Calcutta, India),
Alex Faria (FGV, Brazil),
Gavin Jack (Monash University, Australia),
Shaun Ruggunan (University of KwaZulu-Natal, South Africa)

Excerpt:

„This special issue focuses on decolonising management and organisational knowledge (MOK), a vital and  timely  endeavour. The contemporary  globalised  world  is  experiencing  new  and  continuing conditions of coloniality/decoloniality (Mignolo & Walsh, 2018) organised by forces of transnational capital and the nation-state on the one side, but counter-balanced by resurging, insurging peoples and scholars on the other. The nature and momentum of these axes of neo-colonial power and decolonial praxis-theory (Mignolo & Walsh, 2018) has led Mbembe (2016: 36) to observe that the “decolonizing project is back  on  the  agenda  worldwide”. Decolonial conversations set out to both critique the
“dominant Eurocentric academic model” and “imagine what an alternative to this model could look like” (Mbembe, 2016: 36).  „

CfP: https://journals.sagepub.com/page/org/call-for-papers

ILPC 2019, 24-26 April 2019 Vienna – Fragmentation and Solidarities

Labor Process Theory is one of the most prominent critical approaches in Management and Organization Studies. The 37th International Labour Process Conference will be held in Vienna from 24-26 April. You can find the full programme here:

https://www.ilpc.org.uk/