Schlagwort-Archiv: Marx

„Kein Gott, kein Herr! – Eine kleine Geschichte der Anarchie“ – Dokumentarfilm Arte

Bereits gestern lief der zweiteilige Dokumentarfilm zur Geschichte der anarchistischen Bewegung auf Arte. Über Proudhon und Kropotkin entfaltet sich diese instruktive Geschichte der Anarchie in ihrer Beziehung zur Arbeiterschaft, zur Entwicklung der Gewerkschaften und Kooperativen, zur Idee des Streiks, zu den aufkommenden Massenmedien bis hin zum Kampf im spanischen Bürgerkrieg und den vielfältigen und brutalen Repressionen, welchen der Anarchismus aber auch die Arbeiterschaft über die geschilderten Jahrzehnte ausgesetzt waren. Beide Teile sind noch für wenige Tage in der Mediathek nachzusehen:

http://www.arte.tv/guide/de/047435-001-A/kein-gott-kein-herr-eine-kleine-geschichte-der-anarchie-1-2

 

 

„Organizational Behaviour – Verhalten in Organisationen“ – neu in der 2. Auflage erschienen | Employment Relations

Das von Albert Martin herausgebene Buch „Organizational Behaviour“ ist in der zweiten Auflage im Kohlhammer-Verlag erschienen. (Martin, A. (Hrsg.). (2017). Organizational Behaviour R…

Quelle: „Organizational Behaviour – Verhalten in Organisationen“ – neu in der 2. Auflage erschienen | Employment Relations

„Das Kapital“ – Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert – Feature im Deutschlandfunk zum Nachhören

Bereits im November und Dezember 2016 lief im Deutschlandfunk ein sechsteiliges, prominent besetztes Feature über „Das Kapital“ von Marx, welche der Frage nach der Aktualität und den Grenzen des Werkes nachgeht. Alle Features lassen sich nachhören und sind auch in Manuskriptform nachlesbar:

http://www.deutschlandradio.de/das-kapital-politische-oekonomie-im-21-jahrhundert-im.2174.de.html?dram:article_id=370974

Diskurs und Ökonomie – Teil 15: Zombie-Fabriken

Im allerersten Beitrag dieser Reihe habe ich mich mit der Symbolik der sogenannten Zombie-Banken beschäftigt. Mehrere einfache assoziative Aspekte schienen hierbei wichtig. Zombie-Banken sind:

  1. bedrohlich
  2. mit eigenen Kräften begabte Wesen
  3. schwer zu bekämpfen und
  4. ein finales Ableben einer Zombie-Bank erscheint als noch stärkere Bedrohung als die Existenz einer Zombie-Bank selbst.

Nun ist festzuhalten, dass die Zombiebank nicht die einzige interdiskursive Verknüpfung des Reichs der Untoten mit dem Reich der Ökonomie darstellt. Am 1.03.2016 war auf Spiegel Online von den Zombie-Fabriken die Rede:

Chinas Fabriken produzieren zu viel. Viele Staatsunternehmen werden nur noch künstlich mit Krediten am Leben erhalten. Nun will die Regierung gegensteuern: Fünf bis sechs Millionen Arbeiter in solchen „Zombie-Fabriken“ sollen in den kommenden drei Jahren entlassen werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei regierungsnahe Quellen. (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zombie-fabriken-china-entlaesst-angeblich-fuenf-millionen-arbeiter-a-1079967.html, letzter Zugriff: 14.03.2016)

Noch drastischer in der Diktion nimmt sich einen Tag später die Meldung auf DRadio Wissen aus:

Zombies sind hässlich, gefährlich und weitgehend nutzlos. Ebenso wie viele Firmen in China. Jetzt nimmt die Volksrepublik den Kampf gegen die Zombie-Firmen auf.

Sie haben eigentlich überhaupt keine Chance zu überleben. Sie produzieren viel zu viel, sie haben wahnsinnig viele Angestellte, die eigentlich gar nichts zu tun haben, diese Unternehmen sind überhaupt nicht profitabel. Sie werden künstlich mit Krediten am (Un)Leben gehalten. Zombie-Firmen eben. Vor allem die klassischen Industrieunternehmen sind betroffen: Stahl, Kohle, Zement und so weiter. (Quelle: http://dradiowissen.de/beitrag/china-wirtschaft-mit-zombie-fabriken, letzter Zugriff: 14.03.2016)

Nun taucht hier etwas Neues in der Anrufung des Zombies auf, was beim ersten Nachdenken über die Zombie-Bank so nicht deutlich war und womöglich auch dort nicht konnotiert ist. Die Zombie-Fabrik oder Zombie-Firma erscheint hier als das Andere eines mitgemeinten vitalen Kapitalismus. Die Zombie-Fabrik fungiert als ‚konstitutives Außen‘ entlang einer Reihe von Grenzziehungen (Staat – Markt, künstlich – natürlich, aufgebläht – schlank, Nichtstun – Fleiß, unprofitabel – profitabel). Da kann man auch mal 5-6 Millionen Menschen entlassen.

Was sich hier schließlich ideologiekritisch diskutieren lässt, ist die verschleiernde Funktion des ‚konstitutiven Außen‘, gerade indem die Zombie-Fabrik einem lebendigen Kapitalismus entgegengesetzt wird. Damit kommen wir abschließend zu einem anderen Theoretiker des Untoten, nämlich Marx. Nicht vom Zombie, aber vom vampirmäßigen ist dann die Rede – dieses herrscht gleichwohl im Innenraum des Kapitalismus:

„Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ – Das Kapital. Band 1, MEW 23, S. 247

 

Diskurs und Ökonomie – Ältere Beiträge:

Zombiebanken

Virus

Kernschmelze

Gaspedal und Handbremse

„Bei aller Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit“, oder: Arbeitskämpfe als ‚diskursive Kämpfe‘

Klettertour und Basislager

Anlegerstreik

Schwan vs. Sinn, oder: in Verteidigung der Reinheit der Ökonomie

„Die Athener Rasselbande“

Talfahrt

Blase(n)

Industrie 4.0

Im TTIP-Leseraum

Diskurs und Ökonomie – Teil 12: Blase

Die Verwendung der Metapher der Blase zählt zum geläufigen Bildvorrat des Diskurses des Ökonomischen. Die Blasensymbolik ist soweit verbreitet, dass diese sowohl im massenmedialen Interdiskurs als auch im ökonomischen Spezialdiskurs Verwendung findet. Diese Prominenz findet ihren Niederschlag auch in Wikipedia. Im Eintrag „Blase“ findet sich unter anderem (https://de.wikipedia.org/wiki/Blase):

Unter „Spekulationsblase“ ist dann zu lesen:

Als Spekulationsblase, auch Finanzblase, oder Blase (von englisch: speculative bubble, economic bubble, financial bubble) wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter (zum Beispiel Rohstoffe oder Lebensmittel), Vermögensgegenstände (Immobilien und Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien oder Anleihen) bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert (auch: Fundamentalwert oder intrinsischer Wert) liegen. […]

Hier wird man dann unter anderem weiter verwiesen auf den Eintrag „Bubble Economy“:

Unter einer Bubble Economy (engl. „Blasen-Wirtschaft“) wird eine Volkswirtschaft verstanden, die zunächst durch eine Spekulationsblase profitiert und wächst, nach dem Platzen der Blase jedoch unter den Auswirkungen der wirtschaftlichen Rückschläge leidet […]

Deutlich also zunächst die Dissemination, das Mäandern der Blasenmetaphorik, sowohl umgangs- als auch fachsprachlich. Drei Anmerkungen hierzu:

Erstens: Die symbolische Qualität der „Blase“ ist offensichtlich; die „Seifenblase“ erscheint dabei als das mit aller Wahrscheinlichkeit assoziierte Bildfeld: Spiel der Kindheit im Frühjahr und Sommer, das Schillern der Seifenblase in allen Farben, die Freude über große Blasen, Fragilität und der Augenblick des Zerplatzens (oft forciert). Das spielerische, ephemere, unberechenbare und effektvolle Moment wird hier übertragen.

Gleichwohl und zweitens: Die Übertragung erfolgt nicht ohne Verschiebung: Ergänzt und modifiziert wird dies durch das gefahrvolle Moment (ein Spiel jenseits des „Fundamentalwertes“, die Gefahr der Krise und Rezession). Dieses neue assoziative Moment wird forciert durch die Vorstellung von zwei Sphären des Ökonomischen: der ‚realen‘, ‚echten‘ Ökonomie (‚innerer Wert‘, ‚Fundamentalwert‘) und der ‚imaginären‘, ‚spekulativen‘ Ökonomie. Die Finanzmärkte verletzen in diesem Verständnis durch ‚Blasenbildung‘ ihre eigentliche Funktion der ‚Repräsentation‘ der Ökonomie. Dieses Bild, welches an das ‚Zeitalter der Repräsentation‘ (Foucault) erinnert, in welcher Sprache (hier: die Zeichen der Börse) – Welt (hier: die ‚reale‘ Ökonomie) getrennt gedacht werden, findet entsprechend auch seinen Niederschlag in den Wikipedia-Einträgen. Es bleibt dann nach wie vor wohl eine wichtige Frage, nicht nur aus diskursanalytischer oder poststrukturalistischer Perspektive: Was, wenn nach dem Platzen, nach dem Ende der schillernden Hülle nichts ‚dahinter‘ ist? Wenn der ‚innere Wert‘ selbst sich ’nur‘ als Zeichen im Diskurs des Ökonomischen erweist?

Insofern fungiert Drittens die Rede von der ‚realen‘ Ökonomie auch als Sehnsuchtsort – etwas Echtes erzeugen, etwas was bleibt; Ideen und Diskurse des Handwerklichen verschränken sich hier mit der Marx‘schen Rede vom Gebrauchswert.

Hier wieder der Verweis auf die bisher andiskutierten Symbolisierungen des Ökonomischen:

Zombiebanken

Virus

Kernschmelze

Gaspedal und Handbremse

Klettertour und Basislager

Talfahrt

The Psychic Life of Neoliberalism

Christina Scharff conducted an interesting study on the emotional side of neoliberalism and entrepreneurialism. In reference to the question of critique, the study points to the transformation of social critique to self critique and the construction of strong social stratifications between ‚lazy‘ and ‚deserving‘ people. Here is a summary of the study:

The psychic life of neoliberalism

Kritik, Organisation und Ästhetik II – Das Projekt „Bilder der Arbeit“ von Klaus Türk

Die ästhetische Dimension von Kritik weiter aufgreifend, hier ein weiterer Verweis auf das Projekt „Bilder der Arbeit“ von Klaus Türk. Der Organisationsforscher Türk hat es unternommen, in historischer Perspektive der Darstellung von Arbeit in der Kunstgeschichte nachzuverfolgen und diese auch auf eine ‚politische Ökonomie der Organisation‘ zu beziehen. Entstanden sind Ausstellungen, Ausstellungskataloge und Publikationen, darunter das im Jahr 2000 erschienene, gleichnamige Buch „Bilder der Arbeit“. Das gesamte Projekt ist hier dokumentiert:

http://www.bilder-der-arbeit.de/

Diskurs und Ökonomie – Teil 7: Anlegerstreik

Mit dem Begriff Streik assoziiert man landläufig etwas anderes als den Unwillen von Anlegern, auf dem Kapitalmarkt zu investieren. Vom „Anlegerstreik“ wird hingegen in einem Beitrag auf dem Portal Oekonomenstimme gesprochen:

In Europa scheint es zu einer Art Anlegerstreik gekommen zu sein. Viele Anleger sind offensichtlich nicht mehr bereit, ihr Geld für negative Realzinsen und derzeit auch negative Nominalzinsen zur Verfügung zu stellen

Sichtbar wird hier zunächst einfach die Interdiskursivität des Streikbegriffes (deutlich auch in weiteren Wortschöpfungen wie Hungerstreik, Gebärstreik, Sitzstreik oder auch Verbraucherstreik). Streik wird hier assoziativ als Form der Verweigerung gelesen, hier als ein Zurückhalten oder Entzug von Geld auf den Finanzmärkten. Eingeebnet werden dabei zugleich zwei meines Erachtens wichtige Differenzen:

  1. Die im Streikrecht sich manifestierende historische und politische Differenz zwischen der ‚Verweigerung‘ der Erbringung von Arbeitsleistungen und der ‚Verweigerung‘ Geld anzulegen. Erweist sich das Streikrecht als historische (und keineswegs globale) Errungenschaft, so scheint ein Anlegerstreik kaum eine rechtliche oder geographische Assoziation aufzuweisen. Vielmehr ist dieser Streik ein Ausdruck von vorhandenen oder eben fehlenden Anlagemöglichkeiten, assoziiert entweder mit dem globalen Spiel von Angebot und Nachfrage oder – auch dies steckt in der Rede vom Anlegerstreik – mit dem Verhalten eines trotzigen Kindes.
  2. Die unterschiedliche Mobilität von Arbeit und Kapital – dort geht es um globale Anlagemöglichkeiten, hier um den Wert der eigenen Arbeitsleistung, eingebettet in einen sozialen und biographischen Kontext im weitesten Sinne. Hier ließe sich auch anschließen an Diskussionen um die ‚internationale Kapitalmobilität‘. Im Sinne des Zusammenhanges von Diskurs und Ökonomie liegt aber auch die gerne vom Organisationstheoretiker Günther Ortmann zitierte Aussage von Herbert Simon nahe: „In einem sehr realen Sinne ist der Leiter oder Vorgesetzte nur ein Busfahrer, dessen Passagiere ihn verlassen werden, wenn er sie nicht in die gewünschte Richtung fährt“ (Simon 1951, S.134, zitiert in der Einleitung zu Ortmann/Sydow/Türk (2000): Theorien der Organisation, S.15). Hierauf Ortmann bereits 1976: „Die Begriffe sind blind gegen den Unterschied zwischen einem Fahrgast, der den Bus verläßt, wenn der in die falsche Richtung fährt, und einem 55jährigen Arbeiter, der im Betrieb nicht aufmuckt, weil für ihn ‚Aussteigen‘ doch wohl eine andere Bedeutung hat“ (Ortmann 1976, S.46, zitiert ebenda).

Insofern mögen einen streikende Anleger sympathisch oder problematisch erscheinen; die Rede vom ‚Anlegerstreik‘ erweist sich unbewusst – hier im Sinne der Rhetorik – als Euphemismus, als uneigentliche Form der Rede und führt mit sich jene Ortmann’sche ‚Begriffsblindheit‘ gegenüber jener Bedeutung, welche Streik im ursprünglichen Kontext innehatte und durchaus immer noch besitzt.

Eric Hobsbawm – vergessen wir nicht den Banditen

Im Alter von 95 Jahren ist der britische Historiker Eric Hobsbawm verstorben. Ein Nachruf findet sich unter anderem in der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/britischer-historiker-eric-hobsbawm-ist-tot-1.1483906

Interessant bei Hobsbawm erscheint u.a. die Verschiebung des Blickwinkels von den ‚großen Männern‘ der Geschichte hin zum Ephemeren, vermeintlich ‚Kleinen‘, welches gleichwohl ‚Geschichte(n) macht‘ oder doch zumindest Ärger (vgl. „Die Banditen. Räuber als Sozialrebellen“).

Call for Papers – International Labour Process Conference 18.-20. März 2013

Die jährliche ILPC-Konferenz findet nächstes Jahr in der Nähe von New York statt. Wer diesen Weg auf sich nehmen möchte, kann noch bis Ende Oktober ein Abstract einreichen. Hier ein Auszug aus dem Call for Papers:

The primary focus of the 2013 International Labour Process Conference (ILPC) is work and employment relations in the context of the broader political economy. ILPC particularly welcomes submissions on issues such as:

  • Labour process and other critical theories of work relations
  • The meaning, value, quality and experience of work
  • Workplace and corporate restructuring
  • Changing forms of employment relations, outsourcing and the supply chain
  • Gender, ethnicity, and class at work
  • New technology and work organization
  • Control strategies, power, consent and culture in organizations
  • Work-life boundaries
  • Migrant labor

Special  streams  include  Whither  the  State,  Work  Labor  and  Employment  in  China,  Union  Power  and Effectiveness in the Global Economy, Migrant Workers and the Labour Process, and Integrating Labor with Global Value Chains. Preference is given to papers that promote critical understandings of workplace relations and integrate empirical material with theoretical argument.

Hier geht es zur Konferenzseite:

http://www.ilpc.org.uk/