Gedenk-Kolloquium Gertraude Krell, Samstag, 22. April 2017, 10-17 Uhr, Freie Universität Berlin

In Gedenken an Gertraude Krell (18.4.1952 – 5.1.2016) findet an der Freien Universität Berlin am 22. April 2017 ein Kolloquium  statt. Das Programm umfasst Fachbeiträge und eine Podiumsdiskussion zu Gertraude Krells Forschungsschwerpunkt „Gender und Diversity“. Hier das vorläufige Programm des Kolloquiums:

vorl-programm-gedenkkolloquium-g-krell-stand-12-2016

Filme von A bis Z … – ein Update

Die Rubrik „Filme von A bis Z …“ hat ein kleines Update erhalten:

Filme von A bis Z …

Neben zwei neuen Links zu Filmsammlungen werden nun auch ausgewählte Hinweise auf Filme und Dokumentationen aus diesem BLOG dort nochmals gesondert angeführt.

Weitere Hinweise sind stets willkommen!

Die Rückkehr des Dorfladens als Genossenschaft? – Ein Hausbesuch der taz

In der Wochenendausgabe der taz findet sich ein ‚Hausbesuch‘ der taz bei einer neu gegründeten Genossenschaft in Bernitt, Mecklenburg, welche den 2013 geschlossenen Konsum des Dorfes zu neuen Leben erwecken möchte:

https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5359421&s=bernitt&SuchRahmen=Print/

Die Genossenschaft als mögliche Form, die Nahversorgung im ländlichen Raum (wieder) abzusichern, erweist sich dabei als keine ganz neue Idee. Schon einige Jahre zuvor spricht die taz von „Tante Emma 2.0“ und einer Renaissance des Dorfladens, welcher auch im konkreten Fall dieses älteren Artikels als Genossenschaft gegründet wurde:

http://www.taz.de/!5131713/

In diesem Artikel wird auch auf Schwierigkeiten – die Konkurrenz zu Discountern, Personalkosten – und gescheiterte Projekte hingewiesen, welche der durchaus intuitiven Genossenschaftsidee („Wenn den Leuten der Laden gehört, haben sie Interesse, ihn zu halten“ – so heißt es im Artikel) zuwiderlaufen. Zu eingeschliffen erscheint das Kaufverhalten, zu hoch ist der Kostendruck, Eigentum stiftet nicht automatisch Identifikation. Nun mag man wünschen, dass der Genossenschaft in Bernitt ein positiver Start beschieden ist.

70 Jahre WSI: Gesellschaft im Umbruch. Aufgaben einer arbeitnehmerorientierten Wissenschaft

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) wird 70 Jahre alt. Das WSI-Herbstforum blickt vom 23.-24.11. auf die Geschichte des WSI zurück, möchte aber auch Perspektiven und aktuelle Aufgaben einer arbeitnehmerorientierte Sozialforschung diskutieren. Das Ganze gibt es ab morgen auch in einem Livestream:

http://boeckler.de/veranstaltung_66213.htm

Das WSI initiierte maßgeblich die in der Mitte der 1970er Jahre in den Wirtschaftswissenschaften kontrovers diskutierte Perspektive einer „arbeitnehmerorientierten Einzelwirtschaftslehre“ (AOEWL), welche sich als Gegenentwurf zu einer sogenannten „kapitalorientierten Betriebswirtschaftslehre“ verstand. Vergleiche hierzu auch mein Arbeitspapier:

https://www.academia.edu/13924756/Die_arbeitsorientierte_Einzelwirtschaftslehre_AOEWL_ein_fast_vergessener_Ansatz_kritischer_Management-_und_Organisationsforschung

Selbstverwaltete Betriebe – der Fall Vio.Me. in Griechenland

Die Idee der Selbstverwaltung und die Versuche der Organisation von selbstverwalteten Betrieben gewannen in Deutschland in den 1970er Jahren an Popularität. Vor dem Hintergrund der multiplen Krisenereignisse ab 2007ff. erlangte die Idee der Selbstverwaltung und der self-managed company als alternative, demokratische und solidarische Organisationsform wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Einen möglicherweise exemplarischen Fall – auch hinsichtlich der Unerwünschtheit und des prekären Status selbstverwalteter Betriebe –  stellt das griechische Unternehmen Vio.Me. dar. Allerdings ist der Ausgang noch offen: Erst vor einigen Wochen scheiterte der von zahlreichen Protesten und Solidaritätsbekundungen begleitete Versuch der Versteigerung des selbstverwalteten Unternehmens. Zur Geschichte der Ereignisse siehe hier:

http://www.viome.org/

Vio.Me. war zugleich Veranstaltungsort des ‚Second Euromediterranean „Worker’s Economy“ Meeting‘ Ende Oktober 2016. Im Programm wurden zahlreiche weitere Beispiele selbstverwalteter Betriebe diskutiert:

euromedworkerseconomy.net

(Vielen Dank an Sarah Langer für den Hinweis auf Vio.Me. und die Tagung)

Interesting Call for Papers – „Organizing Outsiders and their Spaces“ on 17th Annual Ethnography Symposium in Manchester

The stream „Organizing Outsiders and their Spaces“  is part of the 12th Annual Ethnography Symposium at the University of Manchester next year (30th August – 1st September 2017). Keynote speakers will be: Professor Emma Crewe (SOAS, University of London); Professor Bruno Latour (Sciences Po); Professor Bill Maurer (University of California, Irvine) and Professor Hugh Willmott (CASS Business School, London).

Convenors of Stream 20: „Organizing Outsiders and their Spaces“ are Mona Florian, Jana Costas (European University Viadrina) and Gideon Kunda (Tel Aviv University).

You can submit an abstract or proposal (not more that 500 words) by Tuesday 28th February 2017 to florian@europa-uni.de. Decisions on acceptance will be made by 30th March 2017.

More information about the conference:

http://www.confercare.manchester.ac.uk/events/ethnography/

The Call for Paper: stream-20_organizing-outsiders-and-their-spaces-1

Call for Papers – 10th International Critical Management Studies Conference (CMS) in Liverpool, 3-5 July 2017

The call for papers of the 10th International Critical Management Studies is now open. Overall there are 50 streams, including a number of streams adressing alternative forms of organization and organizing. The deadline for submission of abstracts is 31st January 2017:

Conference Streams – Call for Papers

 

Master-Studiengang „Diversitätsforschung“ an der Universität Göttingen

Zum Wintersemester 2016/17 ist in Göttingen der Master-Studiengang „Diversitätsforschung“ gestartet.

Bewerbungen für das Sommersemester 2017 sind bis 15. November 2016 möglich.

Wie können individuelle Teilhabechancen gesichert und gesellschaftliche Integrationsaufgaben gelöst werden? Die Diversitätsforschung sucht unter anderem darauf Antworten, indem sie die Konstruktion sozialer Gruppen, Mechanismen von Ex- und Inklusion sowie soziale Umgangsweisen mit Differenz untersucht. Im Zentrum des neuen forschungsorientierten Studiengangs steht die Entwicklung und Bearbeitung ungleichheitsrelevanter Fragestellungen. Weitere Informationen zum Studiengang findet man im Internet unter http://www.uni-goettingen.de/de/526346.html.

„Dead Man Working“ – Spielfilm zum Banken- und Finanzsektor in der ARD

Heute um 20.15 Uhr läuft in der ARD der Spielfilm „Dead Man Working“, gewissermaßen ein fiktionaler Bericht aus dem Innenraum des Bankensektors. Regie führte Marc Bauder, Regisseur des Dokumentarfilms „Der Banker – Masters of the Universe“. Das verspricht also interessant zu werden. Hier der Trailer zum Film:

DEAD MAN WORKING – Trailer from bauderfilm on Vimeo.

ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ – weitere Eindrücke zur diskursiven Rahmung

Gerade findet in der ARD die Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ statt. Beiträge unterschiedlichster Art – vom Krimi über zahlreiche Reportagen bis hin zu Talkshows – wurden und werden hierbei gesendet:

http://www.ard.de/home/themenwoche/ARD_Themenwoche_2016_Zukunft_der_Arbeit/3235538/index.html

Werner Nienhüser nimmt auf seinem Blog Employment Relations eine erste kritische Einschätzung vor, welche ich hier gerne wiedergebe und kurz ergänzen möchte:

Eine gute bzw. gut gemeinte Sache?  Ein nicht so kleines Aber: Die Sendungen scheinen mir sehr stark zum einen auf die Ersetzung von menschlicher Arbeitskraft durch (i.w.S.) Maschinen, zum anderen auf die Folgen für das Individuum (Abstieg, Armut) zentriert zu sein. Eine solche Perspektive könnte folgende Funktionen erfüllen: Sie vermitteln ein Gefühl der Ersetzbarkeit eines jeden Einzelnen. Als Lösung wird lediglich angeführt, man müsse sich eben individuell für den Wandel qualifizieren. Das schürt Konkurrenz und rückt lediglich individuelle (Re)aktionen in den Blick. Technische Veränderungen werden als gleichsam unveränderlich dargestellt, kollektive Gestaltungsmöglichkeiten (oder gar Möglichkeiten der Gegenwehr) werden nicht thematisiert und damit ausgeblendet. – Ja, richtig, ich kann die Sendungen noch gar nicht gesehen haben und werde auch nicht alle sehen können. Es ist auch lediglich eine Vermutung von mir über die Effekte für den Diskurs, von der ich hoffe, dass sie sich nicht bestätigt. (Quelle: https://employmentrelations.wordpress.com/2016/10/31/ard-themenwoche-zukunft-der-arbeit/)

Sicher zeigt sich zunächst eine hohe Diversität in den Beiträgen zur Themenwoche – diese müsste noch erheblich genauer betrachtet werden. Wichtig erscheint mir zunächst, wie denn die „Zukunft der Arbeit“ diskursiv gerahmt wird, und Werner Nienhüser gibt hier bereits ein paar wichtige Eindrücke wieder. Drei Aspekte dieser Rahmung lassen sich, nach meinen ersten Eindrücken, ergänzen:

  1. Der Rahmen der Woche scheint stark vom Begriff „Digitalisierung“ geprägt. „Digitalisierung“ wird auf der gleichen Ebene wie „Globalisierung“ angesiedelt und wird, wie bei „Globalisierung“ hinlänglich bekannt, als Naturereignis in den Diskurs eingeführt. In der Ankündigung zur Themenwoche heißt es:

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. „Industrie 4.0“, „Sharing-Ökonomie“ oder „Cloud-Working“ heißen die Schlagworte. Das „Internet der Dinge“ wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer? (Quelle: http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/ARD_Themenwoche_2016___Zukunft_der_Arbeit_/3135958/index.html)

2. Der Begriff „Digitalisierung“ dient zugleich als neue Umschreibung von „Rationalisierung“ (welche das unausgesprochene Zentrum des Diskurses ist). Implizit geht es um Effizienz, Wachstum, den Einsatz von Technologie i.S. instrumenteller Vernunft. Das ökonomische Narrativ hinter der „Zukunft der Arbeit“ scheint somit dem Anschein nach nichts Neues anbieten zu können; es ist letztendlich eher Verlängerung der Gegenwart als eine irgendwie anders geartete Zukunft. Deutlich scheint mir diese Rahmung beim sogenannten „Job-Futuromat“ zu sein. Beim „Job-Futoromat“ gibt man einen Beruf an und erfährt, welche Tätigkeiten dieses Berufes heute bereits automatisiert werden können. In den Erläuterungen zum „Job-Futuromat“ wird das technisch und ökonomische Narrativ deutlich, lediglich abgeschwächt durch mögliche rechtliche Fragen oder ethische Überlegungen – eine politische Ökonomie lässt sich daraus sicher nicht gewinnen:

„Es muss aber nicht sein, dass eine Tätigkeit, die als momentan automatisierbar eingestuft wurde, in den nächsten Jahren tatsächlich automatisiert wird. Möglicherweise ist die menschliche Arbeit hier wirtschaftlicher, flexibler oder von besserer Qualität. Auch rechtliche oder ethische Hürden können einer Automatisierung entgegenstehen.“ (Quelle: http://job-futuromat.ard.de/faq.html)

3. Erscheinen einem ‚ethische Hürden‘ schon als nicht sonderlich beruhigend, erscheint mir schließlich ein weiterer Aspekt der Anrufung des Fernsehzuschauern oder des Nutzers der Online-Angebote bedeutsam. Hier gilt – wiederum bezogen auf den „Job-Futuromat“ – dass sich niemand seiner Arbeit sicher sein sollte. Wenn man etwa Hochschullehrer als Beruf angibt, wird eine null-prozentiger Grad der Automatisierbarkeit angezeigt. Aber merke auf:

Bleibt in meinem Job alles beim Alten, wenn der Grad der Automatisierbarkeit niedrig (oder 0%) ist?

Auch in Berufen mit einem niedrigen Grad der Automatisierbarkeit – selbst von 0% – ist es gut möglich, dass in Zukunft Tätigkeiten automatisierbar sein werden, von denen wir uns heute noch nicht vorstellen können, dass sie einmal von Maschinen, Robotern oder Computerprogrammen ausgeführt werden könnten. (Quelle: http://job-futuromat.ard.de/faq.html)

Damit geht es zurück zur Ausgangsrahmung. Aber keine Angst – für das verunsicherte Subjekt ist praktische Hilfe in Sicht:

Klar ist aber, dass der technische Fortschritt die Anforderungen an die menschliche Arbeit verändert. Eine kontinuierliche berufliche Weiterbildung wird daher immer wichtiger. Informationen hierzu finden Sie bei der BA. (Quelle: http://job-futuromat.ard.de/faq.html)