Call for Papers – 5. Workshop ‚Kritische Organisationsforschung‘: „Ästhetik und Organisation – Inszenierung und Ästhetisierung von Organisation, Arbeit und Management“

Ich freue mich, heute den fünften Workshop des Forums „Kritische Organisationsforschung“ ankündigen zu können, welcher am 5.-6. Oktober 2017 an der Universität Duisburg-Essen stattfinden wird. Unsere diesjährige Tagung widmet sich dem Thema „Ästhetik und Organisation“. Hier ein Auszug aus dem Call (CfP Ästhetik und Organisation_KOF_2017):

„Obwohl die Auseinandersetzung mit der Ästhetik und der Ästhetisierung, Inszenierung und auch Theatralisierung von Produktion, Konsum, Freizeit, Arbeit und Organisation kein neues Phänomen im sozialwissenschaftlichen Diskurs ist, hat die Diskussion in den letzten Jahrzehnten und Jahren an erheblicher Dynamik gewonnen. Dabei ist eine Ausweitung des Begriffs des Ästhetischen über die Sphäre der Kunst hinaus festzuhalten, welche ästhetische Praktiken im Sinne der Hervorbringung spezifischer sinnlicher Wahrnehmungen zum Gegenstand der Analyse macht (Reckwitz 2015: 21f.). In den Diagnosen einer Kulturalisierung der Ökonomie, des Aufstiegs kreativer, immaterieller und ästhetischer Arbeit, der ästhetischen Inszenierung von Personen, Ereignissen, Dingen und Organisationen wird der Stellenwert ästhetischer Praktiken und Prozesse für die Analyse der Gegenwartsgesellschaft und von Organisationen neu verhandelt (Reckwitz 2015).

[…]

Der fünfte Workshop des Forums „Kritische Organisationsforschung“ widmet sich der Ästhetisierung des Ökonomischen und der Ökonomisierung des Ästhetischen, möchte dabei jedoch einen besonderen Fokus auf die Ästhetisierung und Inszenierung von Organisation, Arbeit und Management legen. […] Die folgenden Felder lassen sich als erste Orientierung für mögliche Einreichungen von Beitragsvorschlägen verstehen, andere Perspektiven sind dabei selbstverständlich willkommen:

  • Ästhetischer Kapitalismus“? Denkbar sind Arbeiten, welche nach dem Stellenwert und der Reichweite der Diagnose eines „ästhetischen Kapitalismus“ fragen. Welche Phänomene geraten in den Blick, was wird, etwa bezogen auf organisationale Praktiken im globalen Maßstab, ausgeblendet? Wie ist das Verhältnis von Rationalisierung und Ästhetisierung in historischer Perspektive zu denken?
  • Ästhetisierung und Inszenierung von Organisation: Wie werden Organisationen im Sinne einer ‚ästhetischen Kohärenz‘ hervorgebracht? Welche Rolle spielen Artefakte, Achitektur, Raum, Sprache, Events etc. bei der Inszenierung von Organisationen? Wo zeigen sich Brüche oder auch das Scheitern von ‚Kohärenz‘? In welchem Verhältnis steht dabei die Inszenierung von Organisation zum Bereich des Nicht-Sichtbaren oder -Sagbaren, etwa im Sinne einer machtvollen ‚Aufteilung des Sinnlichen‘ (Rancière 2006)?
  • Ästhetische Arbeit und Ästhetisierung von Arbeit: Unter anderem im Anschluss an die Arbeiten zur ‚aesthetic labour‘ (Tyler und Taylor 1998, Hancock und Tyler 2000, Warhurst et al. 2000, Witz et al. 2003) rücken hierbei Phänomene wie äußeres Erscheinungsbild, körperliches Auftreten und Sprache bis hin zur Diskriminierung i.S. eines „lookism“ in den Fokus. Beschäftigte werden zu ästhetischen Stellvertretern des Unternehmens. Zugleich stellen sich Fragen nach dem Verhältnis von ‚Frontstage‘ und ‚Backstage‘, Gender und Organisation sowie der Kontrolle und Subsumtion von Arbeit.
  • Gibt es eine ‚ästhetische Theorie der Organisation‘ und was wären deren Implikationen? Anschlüsse sind hier sowohl in rein konzeptioneller Hinsicht (z.B. die Organisation als performativer Akt) als auch in (organisations)analytischer Perspektive (bspw. aus den Methoden der Theaterwissenschaft) denkbar. Als weitere Perspektive wären hier ebenso die phänomenologischen Folgen eines entsprechenden Zugriffs auf Organisationen, ihre Umwelt und die Individuen in ihnen von Interesse.
  • Ästhetik und Ästhetisierung von Kritik, Widerstand und Subversion: In historischer Perspektive erweist sich der Rekurs auf Ästhetik, etwa in Form der ‚Künstlerkritik‘ (Boltanski/Chiapello 2006) auch immer als eine Perspektive des Widerstands gegenüber den Anrufungen des Marktes und der Rationalisierung, etwa als Anspruch auf Kreativität und Authentizität und als Hinweisen auf gesellschaftliche Kontingenz. Insofern eine zunehmende „Verzahnung und strukturelle Stützung von Ästhetisierungs- und Rationalisierungsprozessen“ (Reckwitz 2015: 49) diagnostiziert wird, stellt sich die Frage nach dem Stellenwert und den Möglichkeiten ästhetischer Kritik und der Ästhetisierung von Widerstand neu, so etwa auch in den Bereichen alternativer Ökonomien und sozialer Bewegungen.

Einreichungen

Die Einreichung von Short Papers im Umfang von 2000-3000 Wörtern ist bis zum 31. Mai 2017 möglich (per E-Mail an: ronaldhartz@gmx.de). Eine Rückmeldung zu den Einreichungen erfolgt bis Mitte Juni durch die Organisatoren des Workshops.

Organisationsteam

PD Dr. Ronald Hartz, E-Mail: ronaldhartz@gmx.de

Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg-Essen, E-Mail: werner.nienhueser@uni-due.de

Jun.-Prof. Dr. Matthias Rätzer, Technische Universität Chemnitz, E-Mail: matthias.raetzer@wirtschaft.tu-chemnitz.de

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung!

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