Kategorie-Archiv: Ökonomie

Globale Finanzkrise und die Alternativen – Eine Animation zur Lage

In diesem sehenswerten RSA Animate geht David Harvey auf die Erklärungsmuster von Krisen ein, rekonstruiert die Logik der Kapitalakkumulation und des Finanzkapitals und fragt nach den Alternativen – und dies alles in nur 11 Minuten:

 

Kritik der Wirtschaftswissenschaften – PROKLA 164

Die aktuelle Ausgabe von PROKLA widmet sich der „Kritik der Wirtschafts-wissenschaften“. Neben einer wissenschaftssoziologischen Diskussion der „Textbook Economics“ (Hanno Pahl) finden sich u.a. Beiträge zur Verbreitung der CSR (Luise Görges & Ulf Kadritzke) und zur „feministischen Ökonomie“ (Katharina Mader & Jana Schultheiss).

Hier geht es zur aktuellen Ausgabe. Das Editorial und der Artikel von Hanno Pahl ist hierbei als Download verfügbar:

PROKLA 164

Massenmedien und Kapitalismus – Ein Beitrag von Georg Seeßlen im „Freitag“

Im „Freitag“ findet sich ein instruktiver Essay von Georg Seeßlen, welcher sich dem Zusammenhang von Massenmedien und ökonomischen Krisen zuwendet. Dass nach der Krise vor der Krise ist, führt Seeßlen auch auf eine Verschränkung von Komplexität und Kindergarten-Mythologie im medialen Kapitalismus zurück. Zitat:

„Anlageberatung, so scheint es, tut mehr not als frisches Obst. Zeitungen werden nicht mehr vom Sport- sondern vom Wirtschaftsteil aus gelesen, fallende Aktienkurse werden als böse Omen angesehen, „erfreuliche“ Wirtschaftsdaten dagegen scheinen automatisch zu belegen, dass es „uns“ wieder besser geht. Der Morgen beginnt für Leute wie du und ich mit einem Blick in den „Börsen-Ticker“. Unter den Nachrichten aus aller Welt laufen als unendliches Band die Börsenkurse in Echtzeit. Und jeden Tag präsentiert das Erste Deutsche Fernsehen in einer Sendung vor den Nachrichten die Börse als Schicksalsraum und Stimmungszirkus. Moderator oder Moderatorin, so charmant wie Heizdecken-Verkäufer bei Senioren-Kaffeefahrten, preisen das System als so umfassend wie menschlich, nie verabschieden sie sich, ohne die komplexen Aktienbewegungen in einen volkstümlichen Sinnspruch verpackt zu haben. Im Ecotainment dieser famosen Sendung wird in den auftretenden Figuren, den Moderatoren und ihren Experten-Gästen, die dialektische Einheit von komplexem System und Kindergarten mythisch vollendet. Die Maschine der Börse ist hier zu einem Jahrmarktgerät geworden. Im Ecotainment muss nichts stimmen, aber alles stimmig sein. Der populistische Medienkapitalismus erwies sich als perfekte Antwort auf die Krise.“

Seeßlens knappe Beschreibung der Rating-Logik könnte man hingegen – wenn man mag – auf Zeitschriftenrankings, Universitätsrankings und ähnliches mehr übertragen:

„Das Rating ist die narzisstische Introspektion eines Systems, das sich nicht mehr entwickeln kann. So wie jemand, dem nichts mehr einfällt als zwanghaft das Angesammelte immer wieder neu zu sortieren. Ein Rating verstehen wir daher sofort, und das Rating der Rating-Agenturen scheint noch einfacher als das Rating der Heringsmenüs. AA+! CC-! Gibt es etwas Einfacheres? Daher ist auch ihre Schuld sehr einfach festzustellen. Ab heute ist nicht mehr die „Gier“, sondern die Rating-Agentur Schuld an allem, was schiefläuft. Sie stufen ein Unternehmen oder gleich einen ganzen Staat herunter, und prompt geht er bankrott. So wäre eine der Lösungen eine eigene Rating-Agentur. Gute Ratings gegen böse, unsere Ratings gegen die der anderen. Weil: Ohne Rating wäre man ja ratlos.“

In eigener Sache: Workshop „Foucault und Organisation“

Am 19. und 20. Mai 2011 findet der zweite Workshop des Forums in Chemnitz statt. Dabei bilden konzeptionelle Fluchtlinien und empirische Perspektiven im Anschluss an Michel Foucault im Zusammenhang mit Veränderungen in und von Organisationen den diesjährigen Schwerpunkt. Zur Diskussion stehen insb. Studien zur (neoliberalen) Gouvernementalität und zu Anrufungen des Subjekts, zu Praktiken des Widerstands und der Heterotopie sowie diskurs- und dispositivanalytisch orientierte Arbeiten. Über die positive Aufnahme des Themas, die zahlreichen Einreichungen, Anfragen zur Teilnahme und schließlich auch über die konzeptionelle Breite der Beiträge haben wir uns sehr gefreut. Themen und Vortragende sind im Einzelnen:

  • Zwischen Organisationskultur und Organisationsmerkmalen: zeitgenössische Universitätsreform und unternehmerischer Aktivitätsmodus (Anna Kosmützky / Michael Borggräfe, Universität Kassel und DHV Speyer)
  • Lernservice-Infrastruktur – cui bono? Die Re-Organisation des Bildungssystems als Modus einer neoliberalen Gouvernementalität (Niels Spilker, FU Berlin)
  • Projektmanagement als Regierungsform (Yannick Kalff, Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • Zur Konstitution des Emotionsarbeiters (Daniela Rastetter, Universität Hamburg)
  • Diskurs- und Dispositivanalyse am Beispiel „Frauenquote“ (Gertraude Krell, FU Berlin)
  • „Catch me, if you can!“, shouts Homo oeconomicus … (Isabell Collien, FU Berlin)
  • Re-constructing age images in UK and Germany: Corporate and socio-politcal actors‘ rhetoric on age (management) discourses (Barbara Sieben / Heike Pantelmann / Michael Müller-Camen / Matt Flynn / Heike Schröder, FU Berlin und Middlesex University Business School)
  • „Emancipation from standards – Process management in the software development and its influence on technical innovations“ (Andrea Fried / Ronny Gey / Agnieta Pretorius / Lars Günther / Petrie Coetzee, TU Chemnitz und Tshwne University of Technology)
  • „Kritische Dekonstruktion“? – Ein paar Gedanken zum kritischen Potential des Sozialkonstruktivismus (Ingo Winkler , Universität Southern Denmark)
  • „Am Ende des Tages ist man immer auf sich gestellt.“ Macht und Widerstand in Medienunternehmen analysiert aus Sicht der Foucault Perspektive (Anne-Kristin Lehmann / Irma Rybnikova, TU Chemnitz)
  • Ausschließung, Einsperrung und vollkommen Anderes: Schulische Organisationen zwischen Heterotopien und panoptischen Blicken (Ina Herrmann, Universität Duisburg-Essen)

Das ganze Programm findet sich als PDF unter „Aktivitäten“.

Das Rohe und das Gekochte – Kurz vor Ostern noch ein kurzer Hinweis zu fertig gefärbten Eiern

Der deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass fertig gefärbte Eier sowie die verwendeten Eier in anderen Produkten (Nudeln, Backwaren) keiner Kennzeichnungs- und Herkunftspflicht unterliegen. Dies betrifft rund 40% aller in Deutschland ‚produzierten‘ Eier. Die konkrete Empfehlung ist klar: Hinschauen und selber färben!

http://www.tierschutzbund.de/eier-kennzeichnung.html

Der Bürger als „Störfall“ – „Die Schwarzwälder Stromrebellen“

Am 19.04. wurde im Deutschlandfunk ein interessantes Feature über die Gemeinde Schönau und die „Schwarzwälder Stromrebellen“ gesendet. Nachgezeichnet wurde der langfährige Kampf einer Bürgerinitiative für eine eigenbestimmte Energieversorgung nach der Katastrophe von Tschernobyl. Ein Lehrstück über Lokalpolitik, Energieunternehmen und den Bürger als „Störfall“.

Hier gibt es Informationen zum Feature:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1410830/

Zum Internet-Auftritt der durch die Bürgeriniative entstandenen „Elektrizitätswerke Schönau“ geht es hier:

http://www.ews-schoenau.de/

Ein Buch zur Lage – Fukushima, Asse, Gorleben …

Jenseits der wieder abgeschalteten Newsticker möchte ich einen Klassiker zur (Wieder-)Lektüre empfehlen – Günther Anders „Die Antiquiertheit des Menschen“:

„Denn die Zukunft „kommt“ nicht mehr; wir verstehen sie nicht mehr als „kommende“; wir machen sie. Und zwar machen wir sie eben so, dass sie ihre eigene Alternative: die Möglichkeit ihres Abbbruchs, die mögliche Zukunftslosigkeit, in sich enthält. Auch wenn dieser Abbruch nicht morgen schon eintritt – durch dasjenige, was wir heute tun, kann er übermorgen eintreten oder in der Generation unserer Urenkel oder im „siebten Geschlecht“. Da die Effekte dessen, was wir heute tun, bleiben, erreichen wir also heute schon diese Zukunft; womit gesagt ist, dass sie in pragmatischen Sinne bereits gegenwärtig ist.“ (‚Über die Bombe und die Wurzeln unserer Apokalypse-Blindheit. In: Antiquiertheit des Menschen 1, S.282f.)

„Womit gesagt ist, dass wir zu versuchen haben, uns, über uns selbst hinausgreifend, des zeitlich Fernsten zu versichern und dieses in Evidenz zu halten. „Die Ungeborenen“, heißt es im Molussischen, „begrüße als deine Nachbarn.“ (ebd.)

Kritische Ressourcen – Arbeit

Unter der Kategorie „Arbeit“ wurden zwei Klassiker der Arbeitsprozesstheorie / LPD neu aufgenommen:

Burawoy, Michael (orig. 1982): Manufacturing Consent. Changes in the Labor Process under Monopoly Capitalism.

Edwards, Richard (orig. 1979): Contested Terrain. The Transformation of the Workplace in the Twentieth Century.

Aktivitäten -Winterkolloquium 2011

Im Januar 2011 fand erstmalig das Winterkolloquium des Forums an der Technischen Universität Chemnitz statt. Für die Vortragsreihe konnten drei Referenten und Referentinnen gewonnen werden. Dies waren die Termine und Themen:

6.01.2011

Prof. Dr. Klaus Dörre (Universität Jena): „Academic Capitalism oder: Das Dilemma der unternehmerischen Universität“

Zeit: 19:00-20:30 Uhr               Ort: Thüringer Weg 7 / K012

20.01.2011

Prof. Dr. Gertraude Krell (Freie Universität Berlin): „Gender Marketing: Ideologiekritische Diskursanalyse einer Kuppelproduktion“

Zeit: 19:00-20.30 Uhr               Ort: Neues Hörsaalgebäude / N105

27.01.2011

Dr. Timo Luks (Technische Universität Chemnitz): „Der Betrieb als Ort der Moderne. Zur Geschichte von Industriearbeit, Ordnungsdenken und Social Engineering im 20. Jahrhundert“

Zeit: 19:00-20:30 Uhr               Ort: Thüringer Weg 7 / K012

Erkenntnis und Interesse, oder: „Klimawandel, welcher Klimawandel?“

In der ZEIT Nr.42 vom 25.November 2010 findet sich unter dem Titel „Die Gehilfen des Zweifels“ ein instruktiver Bericht über die Institutionalisierung und gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Netzwerkarbeit der ‚Klimaskeptiker‘. Angeführt wird etwa das „Europäische Institut für Klima und Energie“ (EIKE) in Jena (Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!“). Unter der Fackel der Freiheit wird am Produkt Zweifel gearbeitet. Dieses trifft „offenbar einen Nerv bei Leuten, die die Nase voll haben vom Klimagerede“.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung müht sich mit Kolleg_innen im BLOG KlimaLounge dieser Entwicklung entgegenzutreten:

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge